Per Video und Chat aus dem Kriegsgebiet
12. Sep 2005 11:55
 |  Kevin Sites in Afghanistan | Foto: kevinsites.net |
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Kevin Sites filmte einst die Erschießung eines wehrlosen Irakers in Falludscha. Ab Ende September reist er für Yahoo durch die Kriegsgebiete der Welt.
Kevin Sites arbeitete als Kriegsberichteterstatter für CNN und NBC, reiste durch den Kosovo, Afghanistan und schließlich Irak. Weltweite Aufmerksamkeit erlangte er, als er als einer der ersten Reporter mit der US-Armee über die Eroberung Falludschas berichtete. Er filmte, wie Soldaten einen bereits entwaffneten Iraker erschossen – das Video ging um die Welt als Beleg für die Grausamkeit des Krieges.Der inzwischen 42-jährige Sites blieb, weniger beachtet von der Weltöffentlichkeit, noch mehrere Monate im Irak, interviewte Iraker, Soldaten und Aufständische und berichtete als einer der wenigen Journalisten in einem eigenen Blog. Die konsequente Nutzung des Internet als Medium hat ihm nun einen neuen Job eingebracht: Das Internetportal Yahoo hat ihn engagiert, um täglich auf einer eigenen Site aus Krisengebieten zu berichten.
Ehrgeizige Vorgaben
Für http://hotzone.yahoo.com wird Sites ab Ende September durch insgesamt 36 Staaten in Asien und Afrika reisen. Von dort aus soll er täglich berichten, schreibt die «New York Times». Jeweils 600 bis 800 Wörter soll er schreiben, dazu fünf bis zehn Fotos veröffentlichen und ein Podcast erstellen. Mindestens einmal in der Woche will Sites zudem ein Video ins Netz stellen, bei Yahoo ist außerdem ein regelmäßiger Chat mit Sites geplant.Das Projekt ist ehrgeizig unter widrigen Bedingungen, doch bei Yahoo ist man optimistisch. «Wenn wir es richtig machen, ist es ein erster Schritt um den Leuten zu zeigen, wie man Inhalte im Internet anders präsentieren kann als im fernsehen», sagte der Chef der Yahoo Media Group im kalifornischen Santa Monica. Mit der Mischung aus editierten und nicht-editierten Inhalten wolle man dem wachsenden Misstrauen der Menschen gegenüber klassischen Medien begegnen.
Eigenes Team
Sites hat selbst lange für die Fernsehsender CNN und NBC gearbeitet. Sein Blog gehörte im Irakkrieg zu den meist gelesenen, tägliche Einträge gab es dort allerdings nicht. Bei Yahoo steht ihm nun ein eigenes Team zur Verfügung, dass von Kalifornien aus seine Reisen organisiert, sich um die technische Realisierung und die Leserbetreuung kümmert.In der Regel plane er, allein zu reisen, sagt Sites. Nur wenn es nötig sein sollte, will er auch Übersetzer und Sicherheitsleute angagieren. Im Gepäck hat er ein Notebook, drei Digital- und Videokameras und mehrere Satellitentelefone.
Sites sagt, er hoffe, dass man bei Yahoo vor allem verstehen werde, dass er nicht einfach ein Blog schreiben wird. «Es handelt sich um journalistische Arbeit, ich versuche die Dinge auf eine verantwortliche Art und Weise zu tun, wie man es im internet nicht immer sieht.»
Transparent, verwundbar und einfühlsam
Zugleich versuche er zu vermeiden, so Sites, was er die Schwäche der Fernsehsender und Nachrichtenagenturen nennt. Er wolle transparent arbeiten, verwundbar bleiben und einfühlsam berichten. Dadurch hofft Sites, könne man ein realistisches Bild der Krisen und ihrer Opfer zeichnen.Sites beignnt seine neue Berichterstattung am 26. September in Afrika. Im November will er im Irak sein, zum Jahrestag der Invasion in Falludscha.