Bezogen auf die Verurteilung des Journalisten zu zehn Jahren Haft im April schreibt «Reporter ohne Grenzen»: «Das wäre wahrscheinlich nicht möglich gewesen, wenn Yahoo nicht kooperiert hätte» und fragt weiter: «Befreit sie die Tatsache, dass diese Firma nach chinesischem Recht arbeitet, von allen ethischen Überlegungen? Wie weit will man gehen, um Peking zu gefallen?»Auch andere große Unternehmen wie Google und das Microsoft Network MSN hatten für ihren Gehorsam gegenüber der chinesischen Regierung bereits Kritik einstecken müssen. In der Regel war es dabei um die Zensur missliebiger Inhalte auf Websites und in Suchmaschinen gegangen.
Viele Internetfirmen drängen derzeit auf den chinesischen Markt – angesichts einer Bevölkerungszahl von mehr als einer Milliarde Menschen und großen Wachstumspotentialen im Internet-Bereich erwarten viele hier gute Geschäfte. Für einen profitablen Marktanteil sind sie offenbar bereit, der Regierung weit entgegen zu kommen. Erst im letzten Monat hatte Yahoo eine Milliarde Dollar gezahlt, um sich 40 Prozent an Chinas größten E-Commerce-Anbieter alibaba.com zu sichern. (nz)