Gericht erprobt «Scheidung online»
02.09.2005
Herausgeber: netzeitung.de
Missverständnisse sind programmiert, wenn von der «elektronischen Scheidung» im Amtsgericht Olpe gesprochen wird. «Und dann bin ich 'den Alten' per Mausklick los?», hatten mehrere Ehefrauen ungläubig Amtsgerichtsdirektor Rudolf Crezelius gefragt.
Zwei Jahre läuft die «Scheidung online» bereits in Olpe. Jedes fünfte Verfahren wird laut Wahlmann mittlerweile so vorbereitet. «Die Verhandlung vor dem Familienrichter wird es aber weiterhin geben. Wir haben schließlich im Zivilrecht das Prinzip der Mündlichkeit.»
Mit der am Donnerstag gestarteten dritten Stufe des Olper Pilotprojekts sind rechtliche Probleme mit der elektronischen Unterschrift ausgeräumt. «Jetzt können auch die Dokumente, die zwingend eine Unterschrift benötigen, mit der 'elektronischen Signatur' versandt werden», erklärt Wahlmann. Noch wird die Akte im Gericht ausgedruckt - aber Ziel sei es, dass die Familienrichter sich
nur noch per Maus durch eine elektronische Akte klicken.
Vorbehalte gegen elektronische Gerichtsverfahren gibt es natürlich auch. Wer Richter bei den Verhandlungen in den mit Eselsohren und Merkzetteln gespickten Akten blättern sieht, kann sich vorstellen, dass viele Richter nicht nur am Bildschirm arbeiten wollen.
«Das Handling ist schon schwieriger», sagt Wahlmann. Man brauche beispielsweise auch sehr große Bildschirme, um gleichzeitig die Akte lesen und ein Dokument bearbeiten zu können. Problematisch sei vor allem, dass die Software-Programme der Beteiligten zusammen passen müssten.
«Das erfordert sehr große Investitionen», sagt Wahlmann. Deshalb sollen die Olper Familienrichter die Möglichkeiten des elektronischen Gerichtsverfahrens erst einmal testen. Ob die «Scheidung online» irgendwann bei allen Gerichten eingeführt wird, steht noch in den Sternen. Wahlmann: «Aber es ist es wert, dass es ausprobiert wird.» (dpa)

