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Lobbyveranstaltung von Microsoft
erhält Besuch von Pinguinen

19. Aug 2005 10:50
Pinguine im Abgeordnetenhaus
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Im Berliner Landesparlament fand am Donnerstag eine umstrittene Lobby-Veranstaltung von Microsoft statt. Die Grünen erschienen gar nicht, dafür tauchten mehrere Pinguine auf.

Von Peter Schink

Bereits seit Tagen hatten die Fraktionen im Berliner Landesparlament über die Veranstaltung gestritten: Microsoft hatte im Abgeordnetenhaus einen Saal für 3398 Euro gemietet und hatte die Parlamentarier direkt nach der Plenarsitzung zu einer «Informationsveranstaltung» geladen. Aktivisten nutzten diese, um ihrerseits die Monopolstellung Microsofts zu kritisieren.

Mehr in der Netzeitung:
  • Streit um Microsoft im Berliner Landesparlament 12. Aug 2005 14:12, ergänzt 14:39
  • Vor der Veranstaltung wurden die Microsoft-Vertreter und Abgeordneten von drei Pinguinen empfangen, dem Maskottchen des freien Betriebssystems Linux. Die Abgeordneten der Grünen erschienen aus Protest geschlossen nicht zu der Veranstaltung.

    Fähnchen im Dessert

    Die verkleideten Aktivisten versuchten, in die Informationsveranstaltung zu gelangen, Microsoft-Vertreter ließen sie jedoch nicht in den Saal. Daraufhin versahen sie den Nachtisch mit kleinen Fähnchen. Darauf stand gedruckt «Alt+F4 - Monokultur» - ein recht technischer Hinweis auf die Monopolstellung von Microsoft.

    Die Aktion wurde initiiert vom Netzwerk Neue Medien, der Grünen Jugend und dem Chaos Computer Club. Sie sagten, der Empfang im Abgeordnetenhaus werde letztlich durch die Lizenzkosten der Microsoft-Software finanziert. «Der Veranstaltungsort und die zeitliche Nähe zur Plenarsitzung zeigt, mit welchem Engagement Microsoft das Land Berlin umgarnen möchte, um nicht eine weitere Stadt an Linux zu verlieren.»

    Durch die Software-Monokultur könne der Hersteller aber letztlich «Konditionen und Preise diktieren». Sie forderten von Berlins Regierendem Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) «mehr Mut zu Alternativen». Freie Software sei nicht nur preisgünstiger, sondern fördere auch regionale Unternehmen und sei innovativ.

    Lizenzen für Millionen

    Kritisiert wurde die Veranstaltung vor allem, weil im Berliner Landesparlament demnächst ein Update der meisten Rechner ansteht – da auf ihnen noch Windows 2000 installiert ist. Neue Lizenzen würden das Parlament aber mehrere Millionen Euro kosten, kritisieren die Grünen. Schon mehrfach hat das Parlament die Verwaltung aufgefordert, kostengünstigere und sichere Alternativen zu Windows zu prüfen – bislang ohne Erfolg.

    Ebenfalls kritisiert worden war die Veranstaltung, weil sie von dem ehemaligen Berliner Wirtschaftssenator Wolfgang Branoner (CDU) und jetzigen «Direktor Public Sector» von Microsoft Deutschland organisiert wurde. Grünen-Fraktionschef Volker Ratzmann hatte deshalb in der vergangenen Woche die Vermietung des Abgeordnetenhauses kritisiert: «Wir sollten den Eindruck vermeiden, dass die Parlamentsverwaltung Kontaktwünsche von Firmen zu Volksvertretern fördert.»

     
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