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Lupe Politiker suchen mit Blogs den «direkten Draht»

Immer mehr Politiker beginnen zu bloggen. Alle Parteien versuchen, das neue Medium im Wahlkampf zu nutzen. Doch in der Blogosphäre werden sie kritisch beäugt.

Von Falk Lüke

«Die spannende Frage ist: Inwieweit schafft man es damit, Leute zur Diskussion zu bringen?», fragt Justizministerin Brigitte Zypries. Die Hessin kandidiert in Darmstadt für ein Bundestagsmandat und schreibt seit Juni ein Weblog. Immer mehr Minister, Abgeordnete und Bewerber um ein Bundestagsmandat suchen im Internet die direkte Kommunikation mit den Wählern. Doch wie weit haben die Politiker die Blogosphäre verstanden?

Der 34-jährige CDU-Abgeordnete Olav Gutting bloggt ebenfalls erst seit kurzem. Er hat Spaß an der Sache gefunden: «Es ist natürlich nicht wahlentscheidend und hat ein bisschen die Funktion eines Tagebuches für mich.» Aber wichtig sei für ihn der direkte Draht zum Wähler, sagt er. «Man kommt immer wieder in den Dialog. Wir lassen auch ganz bewusst kritische Einträge stehen.»

Die Grünen starten am heutigen Freitag ein Blog mit ihren neun Spitzenpolitikern. Neben dem Spitzenkandidaten und Außenminister Joschka Fischer bloggen dort auch Renate Künast und Jürgen Trittin sowie die Partei- und Fraktionsspitzen. Die Grünen-Pressespecherin Sigrid Wolff «Mit dem Blog wollen wir zum Dialog über grüne Politik einladen, sowie live und authentisch aus dem grünen Wahlkampf berichten. Damit sind Bündnis 90/Die Grünen die erste Partei in diesem Wahlkampf mit einem eigenen Web-Blog, in dem alle SpitzenpolitikerInnen zusammen bloggen werden.»

Die Fraktionsvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen Katrin Göring-Eckardt bloggt bereits seit Juli und vergleicht das Bloggen mit Großveranstaltungen. Sie hat wie die meisten anderen bloggenden Politiker bis zum Start des eigenen Blogs nur wenig über die Blogosphäre gewusst. Doch das neue Medium gefällt ihr: «Mir liegt viel am direkten Kontakt mit den Menschen und die erreiche ich über mein Weblog wie über meine Sommertour», so Göring-Eckardt.

Kaum Zeit zum Schreiben
Schwierig ist für viele Politiker, Zeit zum Schreiben zu finden. «Zum einen ist klar, dass ich in der Regel nur kurz bloggen kann und nicht die Zeit habe, allzu ausführlich zu schreiben», sagt Kajo Wasserhövel, Bundesgeschäftsführer und Wahlkampfleiter der SPD. «Zum anderen will ich schon selber schreiben und nicht Vorgeschriebenes abzeichnen». Die «zehn Minuten am Tag», die er für einen Eintrag brauche, investiert auch Olav Gutting gern selbst. Doch längst nicht alle Politiker bloggen allein, sondern oft mit Unterstützung ihrer Mitarbeiter.

Bei den etablierten Bloggern stoßen die Politikerblogs auf Skepsis: «Ehrlich gesagt glaube ich nicht, dass ich da irgendwas finde, was echt ist», sagt Johnny Häusler, Autor des bekannten Blogs Spreeblick. Viele Politikerblogs werden zudem ins Netz gestellt ohne Bezüge zu anderen Seiten herzustellen. «Die Systematik in Blogs funktioniert so, dass du dich selber in Gespräche einmischst.» so Häusler. «Dann gucken die Leute, was du zu sagen hast.»

Wenige Verlinkungen, keine Antworten
Webseiten sind schon lange Standard im politischen Alltagsgeschäft, nicht aber Blogs. SPD-Politikerin Zypries stellt fest: «Es ist ein neues Erlebnis, sich in dieser Form mit den Menschen auseinanderzusetzen. Das ist etwas neues, und das ist auch spannend.»

Der Wunsch nach ernsthafter Kommunikation mit den Wählern ist spürbar. Bislang wird jedoch nur mit halber Kraft geschrieben: In den wenigstens Blogs finden sich Verlinkungen auf andere, Antworten der Politiker auf an sie gerichtete Kommentare gibt es in deren Blogs nur wenige. Doch auch das Interesse auf Leserseite ist überschaubar. Die bislang noch zaghaften Blogversuche vieler Politiker könnten jedoch ein Anfang sein. Schließlich haben sie dort ihre Aussagen selbst in der Hand.