02.08.2005
Herausgeber: netzeitung.de
Die Christdemokraten haben ihr Wahlkampf-Portal vorgestellt. Orange dominiert den Auftritt - doch Revolutionen sucht der Betrachter vergebens.
Die ersten Hinweise auf die neuen CDU-Aktivitäten im Internet finden sich schon vor dem Adenauer-Haus: Irgendjemand hat die großräumig rund ums Foyer aufgehängten SPD- und Grünen-Plakate mit kleinen Papp-Pfeilen in zur Partei passender Farbe versehen: www.leere-versprechen.de .
Die Domain ist ein wesentlicher Baustein der CDU-Online-Kampagne zur Wahl, die am Dienstag in Berlin präsentiert wurde: Eine ausführliche Sammlung rot-grüner, meist schon etwas angegrauter Politikerzitate, die tatsächlich oder nach Ansicht der Kampagnenmacher - inzwischen von der Realität überholt worden sind. Schröders Zitat von der Reduzierung der Arbeitslosigkeit aus dem Jahr 1998 ist sogar als Audio-File vorhanden, als Bonus gibt es dazu noch einen erfundenen Kanzler-Fragebogen. Kostprobe: «Name: Gerhard Schröder; Ihr Beruf: Kanzlerdarsteller; Alter: Je nach Tönung.»
Die «leeren Versprechen» werden auch per Online-Werbung aggressiv kommuniziert. Aber sie sind nur einer von mehreren Bereichen auf dem Wahl-Portal, das sich seit kurzem unter www.cdu.de bewundern lässt. «Wir wollen, dass nicht nur junge Menschen als Freaks auf die Seite kommen», beschreibt Generalsekretär und Wahlkampfmanager Volker Kauder bei der Vorstellung des Angebots die Intention. Mit fünf «Zielgruppenseiten» will man deshalb um Senioren, Frauen, Aussiedler, Auslandsdeutsche, aber auch um Jugendliche werben interessanterweise sind die ersten Absätze von vier der Unter-Seiten allerdings fast wortgleich. Ansonsten arbeitet man sich vorrangig am politischen Gegner ab.
«teAM ZUKUNFT» mit Partei-ProminenzNatürlich ist auch das Wahlprogramm online, ein passwort-geschützter Bereich mit Infos für Mitglieder existiert, es gibt Wahlfakten, die inhaltlich ziemlich genau in Richtung leere-versprechen.de gehen. Unter «teAM ZUKUNFT» (Schreibweise übernommen) wirbt man schließlich um Unterstützer wenn man ein bisschen sucht, dann findet man unter den 7000 ganz normalen Menschen, die schon dabei sind, auch Hochkaräter wie Junge-Union-Chef und Bundestagskandidat Philipp Mißfelder: ganz bescheiden, weit unten auf der Seite, ohne jeden Hinweis auf Ämter und Funktionen.
Neu erfunden hat die Partei das Internet damit nicht. Auch inhaltlich ist das Angebot noch etwas dürftig. Aber vielleicht ändert sich das ja noch: Tagesaktuell soll die Seite von einem dreiköpfigen Redaktionsteam aktualisiert werden insgesamt fließt ein gutes Prozent des Wahlkampf-Etats von 18 Millionen Euro in Website und Online-Werbung. Besonders stolz ist man dabei auf einen SMS-Service, mit dem Kandidaten und Parteiführung mit aktuellen Informationen versorgt werden, auf dass niemand mehr auf dem falschen Fuß erwischt werde. Laut Kauder ist das System «das modernste in Deutschland, in das viel investiert wurde.» Arbeit vor allem, nicht Geld, wird auf Nachfrage ergänzt.
Spenden kann man auf cdu.de übrigens wahlweise per Bankeinzug, Visa- oder Eurocard und überhaupt präsentiert sich die CDU im Internet als ausgesprochene Do-it-yourself-Partei: Den Sympathisanten wird immer und immer wieder angeraten, Leserbriefe zu schreiben, Flugblätter auszudrucken und zu verteilen, eigene Newsletter aufzusetzen, politische Freundeskreise zu organisieren und nicht zuletzt Wahlkampfauftaktpartys zu organisieren, «denn Politik darf auch Spaß machen».
Mit Kandidaten-Weblogs will man bei der CDU übrigens nicht aufwarten. Dafür wird Kauder in virtuellen Kontakt mit dem Volk treten: «Dann können die Internet-Freaks mit mir eine oder zwei Stunden chatten.» Der CDU-Generalsekretär ist es schließlich auch, der die Losung für den Online-Wahlkampf der Partei angibt: «Auch bei elektronischen Medien darf man die Leute nicht hinters Licht führen. Das muss seriös und authentisch sein.»
Für das Web ediert von Kai Kolwitz