Harry Potter bringt Fans im Netz zusammen
Seit Erscheinen von Joanne K. Rowlings Harry Potter and the Half-Blood Prince verzeichnen die weit über einhundert deutschsprachigen Harry Potter-Webseiten großen Zuspruch.
In einer großangelegten Übersetzung übertragen derzeit tausende Mitglieder jeweils drei Seiten ins Deutsche. Andere bewerten die Qualität der Ergebnisse oder verbessern die eingegangenen Textpassagen. In Übersetzungsforen wird um das treffende Wort gerungen.
Als Belohnung erhält jeder, der beim Übersetzen hilft, die erstellte Gesamtübersetzung. Doch für die meisten der bald 7000 HaD-Mitglieder ist der Weg das Ziel. Harry-Potter-Fans gibt es in jedem Alter: Junge Schüler ergänzten ihren Englischunterricht, eine 50-jährige Feinmechanikerin dagegen übersetzt hier mit, «damit das Gehirnstübchen nicht einrostet».
Teilnehmerin Concaela, schrieb: «Ich bin durch einen Zeitschriftenartikel auf die Seite gekommen und fand die Idee das ganze Buch mit X-Leuten zu übersetzen einfach super.» Und Fairy «wurde von einem Member aus einem Literaturforum diesem Forum hierhin gelockt». Dabei ergänzen sich bei harry-auf-deutsch.de Selbstkritik und Spaß. In einem eigenen Bereich des Forums wird über einige unfreiwillig komische Fehlübersetzungen geschmunzelt.
Der organisatorische Ablauf dieser Blitzübersetzung war seit Jahresbeginn im Internetforum von HaD detailliert vorbereitet worden. Dann hatten von Samstagmittag bis Sonntagnachmittag 189 Übersetzer ihre Seiten an 24 Kapitelbetreuer verschickt, die sie korrigierten und zu Kapiteln zusammenfügten. Sonntagabend um 22:22 Uhr war die Übersetzung komplett. Über Nacht wurde sie noch individualisiert an die Übersetzer versandt, so dass niemand die Übersetzung anonym an Dritte weitergeben kann.
Ein Online-Projekt dieses Umfangs wäre noch vor wenigen Jahren nicht möglich gewesen. Doch die breite Verfügbarkeit schneller und bezahlbarer Internetverbindungen sowie eine einfach zu bedienende Forensoftware machte es möglich.
Die besonderen Vorteile der einzelnen Kommunikationsformen zeigten sich deutlich: «Mit E-Mails bekam ich nur die Mitteilungen, die für mich wichtig waren. Im Forum gehts immer durcheinander. Aber das schöne am Forum ist, dass man auch eine Stunde aussetzen kann und dann nachliest, was wichtig erscheint», resümiert HaD-Mitglied Wech. Andere hielten nebenbei immer ein Chat-Fenster offen, um bei Übersetzungsfragen schnell Antworten zu erhalten.
Mit diesem Mix von synchronen und asynchronen Kommunikationsmedien klappte die Zusammenarbeit der virtuellen Kapitel-Teams über alle Zeitzonen hinweg: So nahm eine Teilnehmerin von Tokyo aus teil, wo sie sich als Gastschülerin aufhielt, und eine andere, eine zweifache Mutter, saß gerade in Mexiko.
So wichtig das Engagement langjähriger HaD-Mitglieder bei der inhaltlichen und technischen Vorbereitung war, so gut war die Qualität der Übersetzungen der hinteren Buch-Kapitel von vielen jungen HaD-Mitglieder.
Viele Blitzübersetzer wollen nun auch bei der auf höhere Qualität angelegten langfristigen Übersetzung mitmachen. Zudem wurden bereits Ideen für eine Blitzübersetzung des nächsten und voraussichtlich letzten Harry Potter-Bandes Ideen gesammelt. Gegen Überlegungen, dann noch schneller zu sein, wandte ein Fan ein: «Warum denn den Spaß auf einen Tag reduzieren? Und dafür mehr Stress? Nur für einen Rekord...?»

