Microsoft erwirkt Verfügung gegen Google
29. Jul 2005 09:16
 |  Microsoft-Manager Kai-Fu Lee | Foto: Microsoft |
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Google wollte einen der wichtigsten Microsoft-Forscher in Asien anstellen. Der darf laut Richterspruch nun seinen Arbeitgeber wechseln, für Google arbeiten darf er aber kaum.
Aus dem geplanten Wechsel des Microsoft-Managers Kai-Fu Lee zum Konkurrenten Google wird vorerst nichts - zumindest nicht so, wie es sich der Suchmaschinenbetreiber vorgestellt hat. Ein Richter im US-Bundesstaat Washington erließ auf Antrag von Microsoft am Donnerstag eine einstweilige Verfügung gegen Lee und Google.
Demnach darf der bisherige Vize-Chef der asiatischen Forschung von Microsoft bei Google nur an Projekten arbeiten, die nichts mit seiner bisherigen Tätigkeit zu tun haben. Da Lee bei Microsoft maßgeblich an der Weiterentwicklung der Suchtechnologie beteiligt war, wird er deshalb bei Google wenig zu tun haben.Der 43-jährige Lee hat nach Angaben Microsofts eine Klausel in seinem Arbeitsvertrag aus dem Jahr 2000, die eine Beschäftigung bei anderen Konzernen ausschließt. Microsoft wolle so sein geistiges Eigentum schützen, hieß es. Google wirft dem Software-Hersteller laut «Wall Street Journal» vor, seine Mitarbeiter einzuschüchtern, damit sie blieben.
Gerichtsverfahren im Januar
Lee muss nun nachweisen, dass seine Arbeit bei Google sich substanziell von der bei Microsoft unterscheidet. Google betont, Lee habe keine Firmengeheimnisse ausgeplaudert. Er sei mehrfach aufgefordert worden, das Vertrauen seines früheren Arbeitgebers nicht zu enttäuschen. Außerdem habe Lee bei Google völlig andere Aufgaben. Welche das sind, teilte das Unternehmen nicht mit.Anfang September soll es in dem Gerichtsverfahren eine erste Anhörung geben. Der erste Prozesstag ist für den 9. Januar 2006 angesetzt. Bis kommenden Montag soll Microsoft an Google eine Liste der Projekte übergeben, an denen Lee bei dem Konzern gearbeitet hat.
Lee: Gates will Google stoppen
Im Prozess wird auch ein Gespräch zwischen Lee mit Firmen-Gründer Bill Gates eine wesentliche Rolle spielen: Lee behauptet, Microsoft sehe die Abwerbung von Personal zunehmend als Problem. Zum einen befürchte Gates den Verlust talentierter Mitarbeiter, sagt Lee. Zum anderen fürchte der als Firmengründer, geistiges Eigentum des Unternehmens könne verloren gehen.
Wörtlich soll Gates bei dem Telefonat im Juli gesagt haben: «Kai-Fu, Steve [Ballmer] wird definitiv gegen Dich und Google klagen. Er hat auf so einen Fall nur gewartet, einen Mitarbeiter vom Rang eines Vizepräsidenten, der zu Google wechselt. Wir müssen etwas tun, um Google zu stoppen.» (nz)