netzeitung.deSex-Industrie hofft auf Google

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Dolly Buster und Sybille Rauch (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Dolly Buster und Sybille Rauch
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Die Betreiber von Sex-Sites warten ungeduldig auf eine Art «Pornpal». Sie hoffen darauf, damit mehr Geld zu verdienen als mit der Abrechnung per Kreditkarte.

Das geplante Bezahlsystem Google Wallet hat eine Branche gefunden, die den Start des Systems kaum erwarten kann: die Betreiber von Porno-Websites. Hintergrund ist, dass die Sitebetreiber derzeit bei jeder Bezahlung 10 bis 15 Prozent der Summe an die Kreditkarten-Anbieter abgeben müssen. Diese wollen mit den Zahlungen die große Zahl von Zahlungen abfedern, die nachträglich zurückgebucht werden – vor allem, weil Kunden im Nachhinein bestreiten, eine Mitgliedschaft bei einer Sex-Site gebucht zu haben.

Mit einem an das Ebay-System Paypal angelehnten Service könnte ein deutlich höherer Anteil der Einnahmen zu den Site-Betreibern vordringen – theoretisch wäre es sogar möglich, jedes angeklickte Bild einzeln abzurechnen. Die US-IT-Website «Wired» berichtet daher von großem Interesse an dem Google-Service, über dessen Einführung seit Wochen spekuliert wird.

Einige Betreiber experimentieren derzeit mit Micropayment-Systemen wie Firstgate, andere arbeiten mit einer Bezahlung der Angebote via Handy. Ein Bezahlsystem mit der Vertrauenswürdigkeit von Paypal fehlt der Porno-Branche derzeit aber noch. «Ich vermute, dass bisher noch niemand begriffen hat, wie profitabel solch ein Unternehmen sein könnte», zitiert «Wired» Kevin Blatt, den Sprecher des Sex-Seitenverbunds mobbucks.com und regt gleich einen Namen für den Service an: Pornpal.

Sam Sugar, der sich in seinem Weblog mit der Porno-Industrie beschäftigt, schrieb einen offenen Brief an Google, in dem er dem Unternehmen rät, sich das finanzielle Potential vor Augen zu führen, das es hätte, den geplanten Bezahlservice auch für Sex-Seiten anzubieten.

«Kein zweites Paypal»
Allerdings ist noch unklar, wie sich Google selbst zu den Begehrlichkeiten der Pornoindustrie stellt. Gerüchte, nach denen man ein an Ebays Paypal angelehntes Bezahlsystem plant, kommentierte Google-Chef Eric Schmidt bisher lediglich mit der Bemerkung, man arbeite an «Sachen im E-Commerce-Bereich».

Man plane nicht, eine Art zweites Paypal anzubieten, so Schmidt weiter. Außerdem gilt das Verhältnis zwischen Suchmaschinenbetreiber und Sex-Sites als angespannt – vor allem, weil viele Seitenbetreiber versuchen, Google zu manipulieren, um mehr Werbung für ihre Angebote zu bekommen. Den von «Wired» angeregten Namen Pornpal wird der neue Service mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht tragen: Paypal würde mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit gegen die Bezeichnung klagen. (nz)