netzeitung.deBranche warnt vor unseriösen Dating-Sites

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Branchendienst für Online-Singlebörsen (Foto: dpa <br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Branchendienst für Online-Singlebörsen
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Für viele ist es heute ganz normal, Singlebörsen im Internet zur Partnersuche zu nutzen. Doch ein harmloser Online-Flirt kann mitunter fatale Folgen haben.

Von Tobias Schormann, dpa

Die große Liebe ist nur einen Mausklick entfernt. Mit diesem Versprechen boomt die Partnersuche im Internet. Knapp 2.000 Online-Dating-Anbieter führen derzeit mittels klassischer Kontaktanzeige oder ausgeklügeltem Persönlichkeitsprofil einsame Herzen zusammen.

Die Palette reicht von Gratis-Flirttreffs über kostenpflichtige Partnervermittlungen bis zur Seitensprung-Agentur. Selbst für Senioren und Übergewichtige wurden spezielle Singleseiten eingerichtet. Doch für unvorsichtige Nutzer kann die Suche nach dem großen Glück im Internet schnell in einer großen Enttäuschung enden.
Schwarze Schafe unter den Anbietern
«Beim Online-Dating müssen sich Nutzer vor unseriösen Anbietern in Acht nehmen - es gibt hier einige schwarze Schafe», sagt Marcel Heyne, Leiter der Initiative «Saferdating.de» mit Sitz im rheinland-pfälzischen Herxheim. Gemeinsam mit dem Verein der Freiwilligen Selbstkontrolle der Multimedia Diensteanbieter (FSM) hat sie Standards für Online-Dating-Anbieter entwickelt. Gerade kostenlose Dienste böten häufig zu wenig Schutz vor Belästigungen.

Ein harmloser Online-Flirt könne fatale Folgen haben: Abgewiesene Verehrer stellen häufig ihrer neuen Bekanntschaft über das Internet nach oder drohen per E-Mail. Besonders Frauen seien Opfer von so genannten Cyber-Stalkern. Anwender sollten daher darauf achten, dass eine Partnerbörse Sperrfilter oder Hilfe durch Administratoren bietet. Ferner sei ein vorsichtiger Umgang mit persönlichen Daten wie Anschrift und E-Mail-Adresse ratsam.
Single an der Litfaßsäule
Auch der Datenschutz lässt bei einigen Singletreffs zu wünschen übrig: Einige Anbieter nutzen die Fotos ihrer Kunden für Werbezwecke. «Wer nicht aufpasst, findet sich vielleicht bald auf der nächsten Litfaßsäule wieder», sagt Henning Wiechers, Betreiber des Branchendienstes «Singlebörsen-Vergleich.de» in Hamburg. Nutzer sollten daher in den Geschäftsbedingungen nachlesen, ob ihre Anonymität gewahrt bleibt.

Auch finanziell entpuppt sich manches Kontaktangebot als Mogelpackung. Zahlreiche SMS-Dienstleister stellen Flirtbörsen ins Netz, bei denen man Partner statt per E-Mail nur mit einer teuren Premium-SMS kontaktieren könne, warnt Wiechers. Ebenso handelten sich unvorsichtige Kunden Abo-Angebote ein, für die sie dann monatelang zahlen müssten, ergänzt Initiativenleiter Heyne.

Niedrige Hemmschwelle
Oft sei auch nicht klar, ob sich hinter den Nutzerzahlen einer Seite nicht lediglich Karteileichen verbergen, bemängelt Heyne. Seriöse Dienste prüfen daher die Echtheit der Nutzerdaten bei der Anmeldung. Hier empfehle sich auch ein genauer Blick ins Kleingedruckte - bei einigen Flirttreffs säßen nicht etwa einsame Singles am anderen Ende der Leitung, sondern professionelle Animateure, sagt Wiechers.

Grundsätzlich biete das Web aber viele Vorteile bei der Partnersuche, sagt Eric Hegmann, Autor des Buches «Online-Dating». Die Hemmschwelle sei niedriger, so dass man sich schneller und leichter kennen lerne.

«Das Internet ist daher heute eine der besten Möglichkeiten, einen Partner zu finden», so Hegmann. Insgesamt sei die Kontaktsuche im Internet im Vergleich zu früher seriöser und gesellschaftsfähiger geworden.

Viele Vorurteile gegenüber dem Online-Dating seien inzwischen einfach überholt, sagt Nicole Schiller, Psychologin bei der Partnervermittlung Parship in Hamburg. «Das nutzen nicht nur Leute, die im echten Leben keinen abgekriegt haben, im Gegenteil: Für viele ist es heute ganz normal, sich im Internet kennen zu lernen».

Lügen im Web
Die Statistiken belegen den Erfolg der virtuellen Singlebörsen: So gilt das Netz nach einer Emnid-Studie von 2003 bei den deutschen Surfern hinter Arbeitsplatz und Freundeskreis inzwischen als drittwichtigster Treffpunkt. In einer Untersuchung von britischen Forschern wollten sich zudem 94 Prozent aller Web-Pärchen nach dem ersten Rendezvous wieder sehen. Im Durchschnitt dauerten die Beziehungen sieben Monate lang.

«Die Gefahr der Enttäuschung beim Online-Dating ist dennoch groß», sagt Kommunikationswissenschaftler Jörg Stimpfig, der an der Universität Stuttgart Online-Kontaktanzeigen untersucht. Denn bei der Partnersuche im Internet werde oft gelogen: Besonders Angaben wie Gewicht, Alter und Größe würden häufig beschönigt. Dennoch sei das Netz besser als Kontaktbörse geeignet als andere Medien - hier könne man direkt mit dem Partner in Kontakt treten und nachfragen.

Die Anonymität des Internets verführe allerdings leicht dazu, allzu große Erwartungen zu hegen und nach einem Online-Flirt gleich auf den Traumpartner zu hoffen, sagt Buchautor Hegmann. Die größte Hürde beim Kennenlernen über das Web sei daher das erste persönliche Treffen. Hier müssten Liebeshungrige realistisch bleiben: Auch wenn das Internet Kontakt zu Millionen von Menschen biete - einen Adonis herzuzaubern, überschreite die Möglichkeiten der Technik immer noch.