netzeitung.deMusikbranche verschläft neuen Internet-Trend

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Auch für Nachrichten-Sites möglich: Podcasting. (Foto: NZ<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Auch für Nachrichten-Sites möglich: Podcasting.
Foto: NZ
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Das so genannte Musik-Podcasting ist in Deutschland auf legale Weise nahezu unmöglich. Grund ist: Die Musikbranche will keine Verträge dafür abschließen.

Von Peter Schink

Im Internet bieten immer mehr Websites so genannte Podcasts an. Solche MP3-Radios lassen sich herunterladen und anschließend unterwegs mit anhören – auch ohne Radioempfänger.

In Deutschland wird der neue Trend aber derzeit noch durch die Verwertungsgesellschaft zur Verwertung von Leistungsschutzrechten (GVL) und die Musikindustrie blockiert.

Normalerweise bezahlen Radio-Betreiber bei den Verwertungsgesellschaften für die gespielte Musik. Je nach Höreranzahl wird unterschiedlich viel Geld fällig, dass von diesen an die Musiker weitergereicht wird. Bei Radio-Streams im Internet kassiert die GVL bereits mit - 0,05 Cent pro Titel und Hörer werden fällig. Nach Informationen der Netzeitung schließt die GVL jedoch solche Verträge nicht mit Podcasting-Sites ab.

Johnny Haeusler von der Blogger-Site «Spreeblick» wollte ein solches Musik-Podcast anbieten und bekam prompt eine Abfuhr von der GVL. Man habe ihm mitgeteilt, sagt er, dass er keine entsprechenden Abgaben für sein MP3-Radio abführen könne. «Gleichzeitig wies man mich daraufhin, dass ich illegal handeln würde, wenn ich nicht jedem Einzelnen die Verwertung vergüte», so Haeusler. Wollte «Spreeblick» also ein Musik-Podcast anbieten, müsste sich Haeusler zuvor mit einem einzelnen Musikverlag einigen.

Daran wird sich offenbar auch nicht so schnell nichts ändern. GVL-Geschäftsführer Tilo Gerlach verteidigte gegenüber der Netzeitung das Fehlen der Verwertungsverträge. Ähnlich wie bei traditionellen Tonträgern habe die GVL auch für die so genannten «On-Demand-Dienste» von der Musikindustrie keine Verwertungsrechte.

«Kein Interesse an jeder Form der Verbreitung»
Die Musikindustrie wolle Rechte für Musik-Downloads bislang selbst verwerten, so Gerlach. «es gibt nicht unbedingt ein Interesse an jeder Form der Verbreitung», sagte er. «Das ist eine legitime Entscheidung.»

Haeusler, früher selbst Musiker und deshalb Mitglied der GVL, sieht das völlig anders. «Die GVL verhindert die Verbreitung von Musik, statt sie zu fördern», kritisiert er. «Statt die Interessen der Künstler zu vertreten, tut sie genau das Gegenteil.»

Gema bietet Verträege
Tatsächlich bietet die zweite deutsche Verwertungsgesellschaft, die Gema, bereits Verträge auch für MP3-Radios. Sie fordert zehn Prozent der Einnahmen. Zu ähnlichen Regelungen sieht sich die GVL bislang nicht in der Lage. Der Grund ist ein juristischer: Gema-Sprecher Hans-Herwig Geyer sagte der Netzeitung, die Gema sei verpflichtet für jeden Künstler die Rechte wahrzunehmen.

Haeusler will trotz der rechtlichen Hörden demnächst ein Musik-Podcast starten. «Es gibt ja auch sehr viel gute Musik von unbekannten Künstlern, die nicht in der GVL vertreten sind», sagt er. Er selbst erwäge, aus dem Verband auszutreten, so Haeusler.