Urheberrecht:
Die leise Urheber-Revolution im Netz
14. Jul 2005 09:39
 |  Markus Beckedahl | Foto: nz |
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Das Urheberrecht soll Künstler und Kreative schützen. Eine Gruppe um den amerikanischen Jura-Professor Lessig findet, genau das Gegenteil sei der Fall. Die Netzeitung sprach mit einem ihrer Aktivisten.
Von Peter SchinkFreie Software hat sich in den vergangenen Jahren immer mehr durchgesetzt. Freie Musik, freie Filme, freie Texte - die ohne Einschränkungen weiterverbreitet werden dürfen - gibt es dagegen kaum. Im Gegenteil: Wer in Deutschland etwas veröffentlicht, ist zugleich Urheber und behält die Rechte am eigenen Werk für 50 bis 70 Jahre nach dem eigenen Tod – in den USA sogar noch länger.
Geistiges Eigentum soll damit geschützt werden, so die Idee des Gesetzgebers. Doch der Gedanke hat einen grundsätzlichen Nachteil, vor allem seit das Internet eine Verbreitung von Werken sehr einfach macht: Das Weiterreichen von Text, Ton und Film ist nahezu unmöglich, weil zuvor der Künstler seine Rechte dazu abgeben muss.
Abgeschwächtes Copyright
Der Stanford-Professor Lawrence Lessig fand Ende der Neunzigerjahre, es müsse Kreativen möglich sein, ihre Werke einfacher zu verbreiten, ohne gleich ganz auf die eigenen Rechte zu verzichten. Nur wenn das allmächtige Copyright durch abgeschwächte Lizenzen ergänzt werde, werde eine legale Verbreitung im Internet möglich.Er gründete die Initiative «Creative Commons» (CC), eine Sammlung von Urheberrechts-Lizenzen, die 2001 im Internet veröffentlicht wurde. Jeder Künstler solle sich aussuchen können, welche Rechte an seinem Werk er abgeben wolle, so Lessig, ohne gleich einen Anwalt zu Rate ziehen zu müssen. Mit der juristischen Formel «Some rights reserved» (einige Rechte vorbehalten) will er helfen, Kulturgüter zu verbreiten und zugleich die Bekanntheit von Künstlern per Internet zu erhöhen.
International große Beachtung
Kreative können seit 2001 auf der Internetsite der «Creative Commons» unter mehreren Lizenzen wählen, je nachdem, ob die kommerzielle Nutzung untersagt werden soll, die Werke verändert werden dürfen und ob der Urheber bei der Weitergabe genannt werden muss.International findet Lessigs Initiative inzwischen großen Anklang: Hunderttausende privater Websites verbreiten bereits Texte, Musik und Filme unter der CC-Lizenz. In knapp 50 Ländern haben Juristen die Lizenzen bereits an nationales Recht angepasst. Bei einem europäischen Treffen in Amsterdam vor vier Monaten waren Vertreter aus 23 Ländern anwesend. Bei Yahoo kann man das Internet inzwischen nach freien CC-Inhalten durchsuchen.
Deutsche CC-Lizenzen 2004 veröffentlicht
In Deutschland wurde eine Sammlung von insgesamt sechs CC-Lizenzen im Sommer 2004 vorgestellt. Doch danach wurde es relativ ruhig um das Projekt. Inzwischen hat sich eine Gruppe zusammengefunden, die die Idee der «Creative Commons» hierzulande verbreiten will. Das Problem sei gewesen, sagte einer der Gründer der «Creative Commons User Group», Markus Beckedahl, der Netzeitung, dass in Deutschland die Internationale CC-Organisation sitzt, die jedoch zugleich mit der weltweiten Betreuung und Verbreitung der Lizenzen beschäftigt ist.
Deutscher CC-Verein im Herbst
Nun plant Beckedahl mit einem guten Dutzend anderen, im Herbst einen deutschen CC-Verein zu gründen. So hofft er, mehr Geld und Unterstützung erhalten. T-Shirts soll es geben, und schon Anfang kommenden Monats eine neue Website.Doch Beckedahl will auch, dass große Organisationen sich der Initiative annehmen. Die Bundeszentrale für Politische Bildung erwägt etwa, ihre Texte unter CC-Lizenz zur freien Verfügung ins Netz zu stellen. Doch bislang zögert man dort, immerhin wären davon die Rechte hunderter Autoren betroffen.
Ein anderes, spezifisch deutsches Problem, ist die Gema. Sie verwertet die Rechte von Musikern, sieht sich bislang aber laut Beckedahl nicht in der Lage, ihren Mitgliedern zu erlauben, Musik unter CC-Lizenz zur Verfügung zu stellen. «Wir werden wohl noch Jahre brauchen, bis sich die Gema mit dem Thema beschäftigt», sagt er.
CC-Webradio soll freie Musik verbreiten
Trotzdem will die deutsche Creative-Commons-Gruppe in den kommenden Wochen ein CC-Podcast starten, ein Webradio, um ausgewählte Stücke freier Musik in Internet-Tauschbörsen zu verbreiten. «Die große Stärke der Lizenzen ist, dass die Künstler völlig frei entscheiden können, welche Rechte an ihren Werken sie abgeben», sagt Beckedahl. Man versuche, kompliziertes Lizenz-Recht bewusst einfach zu vermitteln, um viele Leute dazu zu bringen, ihre Werke frei im Internet zu verbreiten.«Das ist aber kein Gegensatz zu den Verbreitungswegen der Musikindustrie», sagt er. Es gehe nicht darum, Politik zu machen. «Wir wollen uns bewusst von keiner Seite vereinnahmen lassen.»
Zehn Millionen CC-Websites
Das kleine CC-Logo könnte freie Musik und Filme trotzdem schneller populär machen, als der Branche lieb ist. Mehr als zehn Millionen Websites tragen laut Beckedahl bereits das CC-Logo.Eine Auseinandersetzung ähnlich wie zwischen der Open-Source-Bewegung und den Software-Konzernen will Beckedahl allerdings vermeiden. «Die Lizenzen an sich sind neutral. Es spricht nichts dagegen, dass auch Hollywood die 'Creative Commons' benutzt», so Beckedahl. «Alles darüber hinaus ist die persönliche Meinung der Aktivisten.» Man müsse kulturelle Güter weitergeben, statt deren Verbreitung zu verhindern, wie das bisher der Fall sei, glaubt Beckedahl. Schließlich sei nur so die Weiterentwicklung von Kultur möglich.

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