Urheberrecht:
Die leise Urheber-Revolution im Netz
Freie Software hat sich in den vergangenen Jahren immer mehr durchgesetzt. Freie Musik, freie Filme, freie Texte - die ohne Einschränkungen weiterverbreitet werden dürfen - gibt es dagegen kaum. Im Gegenteil: Wer in Deutschland etwas veröffentlicht, ist zugleich Urheber und behält die Rechte am eigenen Werk für 50 bis 70 Jahre nach dem eigenen Tod in den USA sogar noch länger.
Er gründete die Initiative «Creative Commons» (CC), eine Sammlung von Urheberrechts-Lizenzen, die 2001 im Internet veröffentlicht wurde. Jeder Künstler solle sich aussuchen können, welche Rechte an seinem Werk er abgeben wolle, so Lessig, ohne gleich einen Anwalt zu Rate ziehen zu müssen. Mit der juristischen Formel «Some rights reserved» (einige Rechte vorbehalten) will er helfen, Kulturgüter zu verbreiten und zugleich die Bekanntheit von Künstlern per Internet zu erhöhen.
International findet Lessigs Initiative inzwischen großen Anklang: Hunderttausende privater Websites verbreiten bereits Texte, Musik und Filme unter der CC-Lizenz. In knapp 50 Ländern haben Juristen die Lizenzen bereits an nationales Recht angepasst. Bei einem europäischen Treffen in Amsterdam vor vier Monaten waren Vertreter aus 23 Ländern anwesend. Bei Yahoo kann man das Internet inzwischen nach freien CC-Inhalten durchsuchen.
Das Problem sei gewesen, sagte einer der Gründer der «Creative Commons User Group», Markus Beckedahl, der Netzeitung, dass in Deutschland die Internationale CC-Organisation sitzt, die jedoch zugleich mit der weltweiten Betreuung und Verbreitung der Lizenzen beschäftigt ist.
Doch Beckedahl will auch, dass große Organisationen sich der Initiative annehmen. Die Bundeszentrale für Politische Bildung erwägt etwa, ihre Texte unter CC-Lizenz zur freien Verfügung ins Netz zu stellen. Doch bislang zögert man dort, immerhin wären davon die Rechte hunderter Autoren betroffen.
Ein anderes, spezifisch deutsches Problem, ist die Gema. Sie verwertet die Rechte von Musikern, sieht sich bislang aber laut Beckedahl nicht in der Lage, ihren Mitgliedern zu erlauben, Musik unter CC-Lizenz zur Verfügung zu stellen. «Wir werden wohl noch Jahre brauchen, bis sich die Gema mit dem Thema beschäftigt», sagt er.
«Das ist aber kein Gegensatz zu den Verbreitungswegen der Musikindustrie», sagt er. Es gehe nicht darum, Politik zu machen. «Wir wollen uns bewusst von keiner Seite vereinnahmen lassen.»
Eine Auseinandersetzung ähnlich wie zwischen der Open-Source-Bewegung und den Software-Konzernen will Beckedahl allerdings vermeiden. «Die Lizenzen an sich sind neutral. Es spricht nichts dagegen, dass auch Hollywood die 'Creative Commons' benutzt», so Beckedahl. «Alles darüber hinaus ist die persönliche Meinung der Aktivisten.» Man müsse kulturelle Güter weitergeben, statt deren Verbreitung zu verhindern, wie das bisher der Fall sei, glaubt Beckedahl. Schließlich sei nur so die Weiterentwicklung von Kultur möglich.

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