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China plant totale Internet-Kontrolle

13. Jul 2005 08:03
Internet-Benutzer in China
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Schon seit Jahren ist in China der ungehinderte Zugang zu Online-Informationen kaum möglich. Ein riesiges staatliches Projekt soll die Internet-Zensur jetzt noch verschärfen.

Chinas Regime geht seit Jahren massiv gegen kritische Stimmen im Internet vor: Stichwortfilter für Suchmaschinen, Chats, Blogs, Nachrichten-Sites und E-Mail kontrollieren einen Großteil des nationalen und vor allem des mit dem Ausland ausgetauschten Traffics. Zudem werden Internet-Cafés von einer Spezialeinheit der Polizei kontrolliert und einflussreiche chinesische Online-Foren gezielt manipuliert. Die IP-Adressen unzähliger unliebsamer Websites sind für die meisten Chinesen nicht zu erreichen.

Gigantisches Intranet

Nach der Umsetzung eines gewaltigen Projekts, das die Netzstruktur des Landes neu organisieren soll, werden der Regierungsmacht in Peking womöglich bald noch umfassendere Kontrollmöglichkeiten zur Verfügung stehen. Dabei wird allein die physikalische Struktur des neuen Netzes dafür sorgen, dass die Filter- und Beschränkungsmöglichkeiten im chinesischen Internet denen eines firmeneigenen Intranet mit gigantischen Proportionen gleicht.

100 Millionen für ein neues Netz

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Wie das Online Magazin «Spectrum Online» meldet, plant die staatliche China Telecom, 100 Millionen Dollar in die neue Infrastruktur, genannt ChinaNet Next Carrying Network (CN2), zu investieren. Dafür werden die US-Firmen Juniper und Cisco, sowie Alcatal aus Frankreich und Huawei aus China extrem leistungsstarke Router, die wichtigsten Knotenpunkte des Internet, liefern. Die Geräte sollen in den nächsten zwölf Monaten in 200 chinesischen Städten aufgestellt werden.

Bewusst zentral

Das dabei entstehende Netz wird kein über die Jahre gewachsenes mehr, sondern ein bewusst geplantes, stark zentralisiertes sein. Dabei kommt den von Juniper zur Verfügung gestellten Hauptroutern in den acht wichtigsten Städten wie Peking oder Schanghai besondere Bedeutung zu. Jeglicher Traffic mit dem Ausland wird diese Router passieren müssen und läßt sich daher zentral und effizient kontrollieren und filtern. Außerdem wird CN2 mit dem kaum benutzten Ipv6-Protokoll arbeiten, was laut dem Online-Magazin «Slate» die Kommunikation mit dem Rest des chinesischen und des weltweiten Internets erschweren könnte.

Weltweite Gefahr

Experten sehen in den chinesischen Bemühungen, Zensur- und Überwachungsmöglichkeiten fest in Netzstrukturen zu verankern, eine Gefahr für Internet-Anwender in allen Ländern. Roger Clarke, Berater für Informationsstruktur im australischen Canberra, warnt gegenüber «Specturm Online», dass China die Voraussetzungen schaffen könnte, diese Technologien weltweit leichter und billiger in nationale Netzwerke einzuführen. Allein schon durch den großen Einfluss des Landes auf die Herstellung überall eingesetzter wichtiger Hard- und Softwarekomponenten könne sich für Zensur optimierte Internet-Technik international ausbreiten. (nz)

 
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