Handy-Videos als Augenzeugenbericht im TV
08.07.2005
Herausgeber: netzeitung.de
Das Video war grobkörnig und unscharf, aber zweifellos eindrucksvoll. Es zeigte Fahrgäste in einer U-Bahn, die gerade von einem der Bombenanschläge auf den Londoner Nahverkehr erschüttert worden war.
Auf Amateurvideos katastrophaler Ereignisse setzen die Sender schon länger - so bei den Terroranschlägen vom 11. September 2001 und nach dem Tsunami am 26. Dezember. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Augenzeuge ein Handy bei sich trägt, ist natürlich ungleich größer - und immer mehr Mobiltelefone sind mit Kameras ausgestattet.
Die Agenturmitarbeiter seien aufgefordert worden, Augenzeugen gezielt danach zu fragen. Auch mehrere britische Fernsehsender riefen ihre Zuschauer auf, Bildmaterial einzuschicken.
Das mit dem Mobiltelefon aufgenommene Video habe sehr authentisch gewirkt, sagt Chuck Lustig, beim US-Sender NBC für die Auslandsberichterstattung verantwortlich: «Es hat die Zuschauer zu einem Ereignis geführt, das gerade passierte, und das ist immer etwas Ergreifendes.» Schließlich setze die Berichterstattung normalerweise erst nach der eigentlichen Katastrophe ein: «Wir sind alle daran gewöhnt, Material von den Nachwehen anzuschauen.»
Allerdings müssten die Sender alles eingeschickte Material sorgfältig prüfen: Je bedeutsamer der Markt für Amateurvideos werde, desto größer sei auch die Gefahr, auf Scherzkekse oder Manipulateure hereinzufallen.

