29.06.2005
Herausgeber: netzeitung.de
Surfen am PC
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Viele User wünschen sich Anonymität im Internet. Um diese zu gewährleisten, muss schon bei der Wahl der Providers aufgepasst werden.
Von Berti KolbowBeim Surfen im Internet hinterlassen Verbraucher Spuren. Dazu gehören die IP-Adressen, mit denen sich die Nutzer beziehungsweise deren Internetanschluss identifizieren lassen. Auch welche Websites wann besucht wurden, lässt sich herausfinden. Deshalb sollten Verbraucher schon bei der Auswahl des Online-Providers darauf achten, dass der nur die nötigsten Verbindungsdaten speichert, raten Datenschützer.
Datensparsamkeit erwünscht«Es gilt das Gebot der Datensparsamkeit. Dienstanbieter müssen nachweisen, dass sie die Daten tatsächlich benötigen», erklärt Roland Schäfer, Vorstand der Deutschen Vereinigung für Datenschutz (DVD) in Bonn. Zugangsanbieter dürfen die Verbindungsdaten ihrer Kunden nur für die technische Abwicklung und zur Abrechnung speichern, müssen diese aber nach spätestens sechs Monaten wieder löschen - so sieht es das Teledienstedatenschutzgesetz vor.
Das Gesetz lässt jedoch Spielraum: «Jeder Provider verfährt unterschiedlich», erklärt Thilo Weichert, Leiter des Unabhängigen Landeszentrums für Datenschutz in Schleswig-Holstein in Kiel. Uneinheitlich sind zum Beispiel die Aufbewahrungsfristen, die von wenigen Tagen bis zu mehreren Monaten reichen.
Umstrittene AdressenspeicherungUm eine Rechnung schreiben zu können, dürfen die Anbieter Beginn und Ende der Verbindung sowie die übertragende Datenmenge aufzeichnen und speichern. Umstritten ist die Aufbewahrung von IP-Adressen über den Zeitraum der Internetnutzung hinaus. IP-Adressen werden für die Übertragung von Daten benötigt und jedem Internetnutzer bei der Einwahl zugewiesen. Einige Provider beharren auf die längerfristige Aufbewahrung von IP-Adressen, um mögliche Hackerangriffe oder Reklamationen nachvollziehen zu können, sagt Peter Büttgen, Sprecher des Bundesdatenschutzbeauftragten Peter Schaar in Bonn.
Andere Anbieter bewahren gar keine Informationen darüber auf, welche IP-Adresse einem Nutzer für eine bestimmte Online-Sitzung zugewiesen wurde. Zuletzt hatte der Gütersloher DSL-Provider Lycos bekannt gegeben, alle IP-Adressen seiner Nutzer zu löschen und keine weiteren zu speichern. «Wir brauchen sie unabhängig vom Tarif für unsere Abrechnungen nicht», sagt Sprecher Kay Oberbeck.
Anspruch auf AnonymitätDatenschützer Thilo Weichert rät, den Provider sorgfältig nach Datenschutzkriterien auszuwählen. Welche Daten wie lange aufgezeichnet werden, steht in den Datenschutzhinweisen oder Geschäftsbedingungen. Wer unsicher ist, sollte beim eigenen Dienstanbieter nachfragen, was dieser aufzeichnet. Dieser sei zu einer kostenlosen Auskunft verpflichtet.
«Online-Nutzer haben einen Anspruch auf Anonymität», sagt DVD-Vorstand Schäfer. Je weniger Daten gespeichert werden, desto geringer sei das Risiko eines Missbrauchs. IP-Daten können verräterisch sein - wenn sie in falsche Hände geraten. Beispielsweise wünschen sich unseriöse Inhalteanbieter Surfprofile von Nutzern.
Software verbirgt IP-AdresseUm sicherzugehen, dass niemand bei den Surfausflügen mitliest, kann zum Beispiel «Tarnkappen-Software» wie JAP verwendet werden, erklärt Arne Arnold, Redakteur der in München erscheinenden Zeitschrift «PC Welt». Das kostenlose Programm gibt es als Download im Internet. Es verschleiert die IP-Adresse des Nutzers. (dpa)