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Microsoft sucht Dialog mit Linux

24. Jun 2005 13:34
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Die Philosophie von Microsoft und den Linux-Entwicklern ist grundverschieden. Trotzdem versucht der Konzern, sich auf dem Linuxtag zu behaupten.

Von Peter Schink, Karlsruhe

Microsoft sorgt bei Open-Source-Entwicklern immer wieder für Heiterkeit. Eine Powerpoint-Präsentation sorgt im Konferenzsaal mit einem «schwerwiegenden Fehler» unter 200 Zuhörern für schallendes Gelächter, selbst ältere Herren mit Krawatte lachen herzhaft. Der Redner entschuldigt sich anschließend peinlich berührt, dass er immer noch «das böse Betriebssystem» benutze.

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Microsoft ist immer noch Hassobjekt für viele Open-Source-Entwickler. Das ist seit Beginn so, als der Softwarekonzern die alternativen Software-Projekte noch belächelte. Inzwischen hat sich das geändert. Auf dem LinuxTag in Karlruhe war Microsoft vergangenes Jahr erstmals mit einem Stand vertreten.

«Die Initiative dazu ist damals von Microsoft ausgegangen», sagte LinuxTag-Veranstalter Nils Magnus am Freitag der Netzeitung. Damals habe es eine intensive Diskussion gegeben, letztlich aber habe man sich entschieden, dass auch Microsoft auf der Messe vertreten sein solle. Schließlich wolle man den Dialog zwischen Programmierern und Firmen ermöglich - das gelte auch für Microsoft. «Trotzdem bleibt natürlich unser Ziel, dass wir freie Software fördern und verbreiten wollen», sagt er.

Nun präsentiert sich der Konzern bereits zum zweiten Mal auf dem LinuxTag. Der Stand von Microsoft ist hell und feundlich, im Hintergrund läuft Windows auf großen Monitoren. Eine Gruppe von Menschen diskutiert mit Mitarbeitern über Netzwerk-Server und Sicherheit – was vielleicht auch daran liegt, dass das Geürcht verbreitet wurde, am Stand des Großkonzerns gäbe es kostenlos Sekt.

«Inwischen reden wir über Inhalte»

LinuxTag-Organisator Magnus sagt, die Mitarbeiter am Microsoft-Stand seien inzwischen auf alle Fragen und Anfeindungen der Open-Source-Entwickler vorbereitet. Alfons Stärk, Manager Platform Strategy bei Microsoft, sagt dazu: «Oft kommen die Leute natürlich mit der Eingangsfrage: Was macht eigentlich Microsoft hier? Dann antworten wir: Den Dialog suchen.» Die Stimmung sei aber positiv, man könne viele gute Gespräche mit der Linux-Gemeinde führen.

«Wir hatten mal eine Zeit, wo ziemlich schwarz-weiß diskutiert wurde, da haben wir bestimmt auch dazu beigtragen», sagt Stärk. Inzwischen rede man mehr über Inhalte und Lösungen. «Aber natürlich gibt es auch noch dogmatische Diskussionen.» Microsoft habe von Linux gelernt, dass es für einige Kunden wichtig sei, den Quellcode zu kennen. Deshalb gebe es inzwischen an bestimmte Einrichtungen auch Teile des Quellcodes heraus. «Da gibt es gutes Feedback», so Stärk.

«Mit denen war nicht zu reden»

Dialog gibt es am Microsoft-Stand tatsächlich reichlich. Umgekehrt ist man da noch zurückhaltender. Stark sagt, er habe bislang kaum Vorträge rund um Linux besuchen können. Er habe aber den Vortrag der EDV-Leute der Stadt München verfolgt, die demnächst 14.000 Rechner auf das alternative Betriebssystem umrüsten wollen. Zu mehr habe er bislang leider keine Zeit gefunden.

Etwa 200 Meter weiter zum Beispiel hätte Microsoft ein interessantes Gespräch führen können. Dort stellen ein paar Linux-Programmierer das Projekt «Xbox Linux» vor. Sie zeigen, dass auch Linux auf Microsofts Spielebox läuft. Im vergangenen Jahr habe man versucht, mit den Leuten vom Microsoft-Stand zu reden, sagt Michael Steil. «Aber mit denen war nicht zu reden», sagt er.

Kein Dialog für Xbox-Linux

Diese Erfahrung sei zudem typisch, auch wenn es Ausnahmen gebe, so Steil. Als man im Jahr 2002 herausgefunden habe, dass Raubkopien von Spielen auf der Xbox laufen, habe man versucht, Microsoft darauf hinzuweisen. In Deutschland habe man keinen Dialogpartner gefunden. Erst in Österreich sei der Kontakt gelungen, doch letztlich habe sich in der Microsoft-Zentrale in Redmond niemand für einen Dialog mit den Hackern interessiert. «Bis heute haben sie meines Wissens nur die Hälfte der Sicherheitslücken geschlossen», so Steil.

Die Linux-Programmierer warten nun auf die neue Xbox 360, die im November auf den Markt kommt. Auch hier werden sie Sicherheitslücken finden. Für Microsoft hätte es sich also gelohnt, den Dialog mit der Gruppe zu suchen.

 
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