Im Januar 2001 ging Wikipedia online. Seitdem haben Menschen weltweit für die freie Enzyklopädie mehr als zwei Millionen Artikel geschrieben, sie umfasst heute mehr Einträge als die «Britannica» und Microsofts «Encarta» zusammen. Nach Englisch ist Deutsch die populärste Wikipedia-Sprache: Mehr als 240.000 deutsche Enzyklopädie-Einträge existiere inzwischen. Gründer Jimmy Wales stellte auf dem LinuxTag in Karlsruhe erstmals eine Schnittstelle für Linux vor, um die Inhalte mit dem Betriebssystem besser zu vernetzen. Die Netzeitung sprach mit dem Chicagoer über die Zukunft der freien Enzyklopädie.
Jimmy Wales: So groß wie Google werden wir bestimmt nicht, Suchmaschinen werden immer größer sein, als spezifische Sites mit Inhalten. Aber Ebay, wer weiß. Vielleicht werden wir ja tatsächlich irgendwann größer als die. Netzeitung: Wikipedia hatte in den vergangenen Monaten Probleme, weil es einfach zu viele Zugriffe auf die Seite gab. Die Server kamen nicht mehr hinterher. Ist man nun froh über die Hilfe, dass Yahoo und Google angeboten haben? Wales: Noch haben wir die Yahoo-Unterstützung nicht. Aber in ein paar Monaten wird es tatsächlich soweit sein. Mit Google ist es etwas anders. Da gibt es noch Gespräche, aber ich bin überzeugt davon, dass die Wikimedia bald auch Unterstützung von dort bekommt. Auf jeden Fall freuen wir uns, dass es eine große Bereitschaft gibt, uns zu unterstützen. Netzeitung: Und dann sehen wir Googles Anzeigen auch bei Wikipedia? Jimmy Wales: Nein, bestimmt nicht. Wir haben bislang keine Werbung auf der Seite, weil es nicht nötig war. Ein viel größeres Problem ist es, technisches Know How, also Programmierer und Server-Leistung zu bekommen. Vielleicht gibt es eines Tages Werbung bei Wikipedia. Das aber muss dann die Community entscheiden. Bislang haben wir jedenfalls keine Werbung, weil wir es immer geschafft haben, genügend Geld auch so aufzutreiben. Wenn die Leute Werbung auf unserer Seite sehen, dann denken sie «hey, die haben Werbung, die haben also schon genug Geld». Netzeitung: Aber wie kann die Wikipedia-Gemeinde so etwas entscheiden? Jimmy Wales: Auf jeden Fall erst nach ausführlicher, langer Diskussion. Aber das werden wir sehen, wenn es so weit kommen sollte. Netzeitung: Wikipedia hat jetzt eine Schnittstelle für Linux-Pogrammierer zur Verfügung gestellt. Was ist das Ziel? Jimmy Wales: Wikipedia soll so einfach wie möglich zu bedienen sein. Ich hoffe, dass viele Linux-Entwickler viele Dinge programmieren werden. Nur, wenn Wikipedia einfach ist, werden sich viele Leute beteiligen. Netzeitung: Nun muss man aber sagen, dass die Linux-Gemeinde im Vergleich zu allen Computernutzern recht klein ist. Jimmy Wales: Ja, klar. Aber wir erhoffen uns natürlich viel Unterstützung, weil es die Technik-Elite ist. Netzeitung: Was ist eigentlich ihre größte Angst in Bezug auf die weitere Entwicklung von Wikimedia? Jimmy Wales: Nun, ich kann mir eigentlich nichts vorstellen. Das liegt daran, dass ich ein hoffnungsloser Optimist bin. Aber dafür habe ich die Wikipedia-Gemeinde, dass sie mir so etwas erzählen. Netzeitung: Und was werden wir von Wikimedia als nächstes sehen - einen Wiki-Staumelder? Was wollen sie entwickeln? Jimmy Wales: Es ist schon einiges angedacht. Aber auf jeden Fall werden wir etwas methodischer herangehen, als bislang. Bislang hat jemand einfach gesagt, «hey, wie wäre es mit Wiktionary?» und dann bin ich hingegangen und habe das einfach gemacht. Damit wir aber wirklich erfolgreich sein können, müssen wir etwas systematischer vorgehen. Sonst gefährden wir einzelne Projekte. Mit Jimmy Wales sprach Peter Schink auf dem LinuxTag in Karlsruhe.
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