netzeitung.deSpionageaffäre in Israel trifft auch Militär

 Herausgeber: netzeitung.de

Spionage per Computer-Virus (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Spionage per Computer-Virus
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

In Israel sind dutzende Firmen mit Hilfe eines Computer-Virus ausspioniert worden, darunter auch ein Rüstungsbetrieb. Wie jetzt bekannt wurde, führt eine Spur nach Deutschland.

Die Affäre um Industriespionage via Internet bekommt für Israel eine verteidigungspolitische Dimension. Wie die «Jerusalem Post» berichtet, wurden auf einem im Zuge der Ermittlungen untersuchten Server vertrauliche Daten gefunden, die im Zusammenhang mit der Verteidigung des Landes stehen sollen. Das Material stammt von einem Waffenproduzenten, dessen Rechnernetz ebenfalls von dem Spionagevirus befallen war. Das Verteidigungsministerium bezeichnete seine eigenen Netze jedoch als sicher.

Vor einigen Tagen war die Polizei einem 41-jährigen Israeli mit deutschem Pass auf die Spur gekommen. Dieser soll ein Virusprogramm namens «Trojanisches Pferd» geschrieben und vermarktet haben. Die Software wurde im Auftrag von Industrieunternehmen heimlich auf den Rechnern von Mitbewerbern installiert und versandte deren interne Dokumente via Internet an die Auftraggeber der Spionage.

Wie die deutsche Polizei heute mitteilte, verfügt der Mann, der in London lebt, auch über eine Wohnung im Kreis Freudenstadt. Sie wurde bereits durchsucht - allerdings ist nichts über die Ergebnisse der Aktion bekannt. Auch zu eventuellen Auftraggebern oder Opfern in Deutschland wurde nichts öffentlich.

Insgesamt wurden in Israel bisher rund 20 Personen verhaftet oder unter Hausarrest gestellt – die meisten von ihnen bekleiden Positionen im mittleren Management von Industrieunternehmen. Betroffen sind unter anderem zwei Mobilfunkunternehmen, ein Kabelnetzbetreiber sowie ein Auto-Importeur. Die Ermittlungen sollen nun auch auf die Eigner und Unternehmenschefs ausgedehnt werden.

Die Polizei geht davon aus, dass etwa 60 Firmen ausspioniert wurden. Als Reaktion hat das israelische Justizministerium angekündigt, eine Spezialeinheit aufzubauen, die sich nur mit Verbrechen im IT-Bereich befassen soll. (nz)