Experte fordert radikales Umdenken bei Videospielen
«Unsere eigene Industrie verstärkt das Vorurteil, dass meist Männer Videospiele spielen. Das geschieht vor allem durch unsere Marketing-Strategien», sagte Lowenstein anlässlich der Eröffnung der weltweit größten Videospielmesse, der «E3 expo», in Los Angeles. Auch die Spiele selbst seien oft zu brutal und aggressiv, als dass sie ein breites Publikum ansprechen könnten.
Orientieren sich die Hersteller aber zu sehr an den Bedürfnissen ihrer männlichen Käufer, gehen ihnen mit den Frauen zahlreiche potenzielle Käuferinnen verloren: Immerhin sind etwa ein Drittel der Konsolenspieler weiblich. Meistens spielten sie jedoch seltener und weniger Spiele als ihre männlichen Kollegen, fand die ESA heraus.
«Es muss eine kulturelle Veränderung stattfinden, damit junge Mädchen und Frauen spüren, dass Videospiele zu spielen nicht nur ein auf Testosterone monopolisiertes Hobby ist, das für ihre Freunde und Ehemänner reserviert ist», sagte Lowenstein.
Spielehersteller müssten die Spiele deshalb radikal ändern, forderte der ESA-Präsident. So müssten Spiele einfacher zu bedienen sein, da sich viele Menschen häufig von der Technik und der Komplexität der Spiele abgeschreckt fühlten. Zudem sollten Hersteller bei Spielen auf aggressive Titel verzichten, die nur dazu dienten, die Verkaufszahlen in die Höhe zu treiben, sagte er.
Wenn Videospiele jemals einen Status ähnlich wie Kinofilme erhalten wollten, müsste es ihnen gelingen, zum Gesprächsthema beim Abendessen werden, sagte Lowenstein. «Das schaffen sie aber niemals, wenn sie nur das Fachgebiet einer kleinen Elite seien, die ihre eigene Sprache spricht und sich in Chatrooms und LAN-Zentern trifft«, sagte Lowenstein. (nz)

