Google: «Wir sind nicht die Internetpolizei»
20. Mai 2005 13:33
 |  Immer wieder kritisiert: die Auswahl der Nachrichten bei Google-News | Foto: nz |
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Google gerät in die Kritik. Bei einer Veranstaltung in Berlin musste sich deren Sprecher am Donnerstag vor allem mit Vorwürfen gegen die Firmenpolitik auseinandersetzen.
Von Falk LükeAuf Einladung der Heinrich-Böll-Stiftung diskutierten gestern Vertreter von Google, Wirtschaft, Parteien und Medien über die Auswirkungen der «Google-Gesellschaft». Anlass war die Vorstellung eines gleichnamigen Buches, dass sich vor allem mit der die Veränderung im Umgang mit Wissen auseinandersetzt.
Suchmaschinen seien als Schnittstelle zwischen Mensch und digitaler Welt zu sehen, so die These. Im Mittelpunkt der Diskussion am Donnerstag stand vor allem die Suchmaschine Google und deren Motto: «Tu nichts Böses».Der Sprecher von Google Deutschland, Stefan Keuchel, geriet von Anfang an in die Defensive. In der Kritik stand vor allem die unpolitische Haltung Googles.
Wer gegen Zensur sei, müsste als großes Unternehmen auch aktiv Lobbying betreiben, kritisierte Katja Husen vom Bundesvorstand der Grünen. Damit bezog sie sich auf die Firmenpolitik des Unternehmens, sich politisch nicht positionieren zu wollen.
«Umdenken mit Zensur im Netz»
Husen sagte, sie erwarte ein Umdenken im Umgang mit Zensur im Internet – und kritisierte in diesem Zusammenhang Google und auch die Politik von Innenminister Otto Schily (SPD). Der Hintergrund: Google nimmt auf Anforderung der Behörden bestimmte Internetadressen mit verfassungswidrigen Inhalten aus dem Index der deutschen Version. Husen sagte, viel wichtiger sei es, Medienkompetenz für das Internet zu vermitteln. Dem stimmte Google-Sprecher Keuchel zu, betonte aber: «Wir sind politisch absolut unabhängig.»
Google wird politisch aktiv
Allerdings musste er eingestehen, dass Google in Zukunft selbst politisch aktiver werden will. So habe man vor kurzem bei Google Deutschland einen Public Policy-Manager eingestellt. Beigepflichtet wurde Keuchel von Sabine Frank, Geschäftsführerin der Freiwilligen Selbstkontrolle Multimedia-Dienste: «Sehr erfrischend, dass die Politik die Wirtschaft auffordert, gegen Regulierung vorzugehen.»Der Berliner Journalist Burkhard Schröder erhob während der Diskussion den Vorwurf, der einzige Unterschied zwischen Google und der DDR jener sei, «dass in der DDR klar war, was zensiert wurde». Diese Kritik wies der Google-Sprecher zurück. Zensur werde nicht von Google betrieben, «wir sind schließlich nicht die Internetpolizei». So etwas sei Sache der Gesetzgebung des jeweiligen Landes: «Es gibt immer große Bedenken bei Google, wenn wir etwas aus dem Index nehmen.»
Immer wieder kritisiert wurde das Quasi-Monopol der Firma Google und die Expansion der Firma auf neuen Geschäftsfeldern. Neben Suchdiensten bietet Google inzwischen auch E-Mails, eine Social-Networking-Plattform und andere Dienste an. Wolfgang Sander-Beuermann von der Suchmaschine Metager betonte: «Gott sei Dank ist das nicht Microsoft - aber wer garantiert, dass das auch morgen noch so ist?»