«Tagging» verändert die Struktur von Daten
04.05.2005
Herausgeber: netzeitung.de
Im Jahr 2003 startete Joshua Schachter in den USA die Site del.icio.us. Die Idee war einfach. Internet-Nutzer sollten ihre Lieblingsseiten dort ablegen. In einer Liste sind bei del.icio.us die jeweils aktuellsten Ergebnisse zu sehen, zudem kann man die Bookmarks jedes einzelnen Users aufrufen.
Ähnliche Bookmark-Sammlungen gibt es im Internet reichlich, doch del.icio.us geht einen Schritt weiter: Alle Bookmarks werden mit Tags (engl. für Schild, Ettikett) versehen, Schlagwörtern also, nach denen die Links ebenfalls sortiert werden können. Die bereits vergebenen Tags werden bei del.icio.us aufgeführt wie Ordner auf einem Computer, allerdings ohne Hierarchie.
Da ein Bookmark jeweils mehrere Tags besitzen kann, wird er somit in mehreren Schubladen abgelegt. So lassen sich Links wesentlich leichter finden, miteinander verwandte Links oder Tags werden ebenfalls aufgeführt - so dass eine vernetzte Struktur entsteht, jedes Tag ist mit mehreren anderen verknüpft.
Der Dienst Technorati sammelt alles zusammen und baut Photos, Links und Blogs eines jeweiligen Tags zusammen. Inzwischen besteht die Sammlung aus mehr als neun Millionen Blogs und eine Milliarde Links.
Die Stärke der Tags im Netz besteht vor allem aus der riesigen Anzahl von Nutzern, die sie vergeben. Um so mehr Menschen Tags auf Dinge vergeben, die sich kaum automatisch sortieren lassen eben Links, Photos, Blogeinträge desto besser wird die Sortierung.
Yahoo hat wiederum vor einigen Wochen den Photodienst Flickr gekauft. Auch Google beschäftigt sich bereits mit dem Thema, Tags könnten bei der Verbesserung der Suchergebnisse helfen und Nutzern zugleich alternative Suchanfragen anbieten.
Zudem sind viele Ettiketten nicht eindeutig. So ist das Wort «Foto» grundsätzlich verschieden zu «Fotos». Musik findet man unter «mp3» genauso wie unter «Musik» oder dem englischen Begriff «music». Vor allem Einzahl und Mehrzahl-Konstruktionen machen Tag-Sammlungen unbrauchbar, aber auch die Sortierung nach verschiedenen Sprachen für Software-Entwickler sind solche Alltagsprobleme noch eine große Herausforderung.

