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Die «Große Firewall» in China hat Löcher

02. Mai 2005 11:31
Anti-japanischer Protest in China
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Chinas Internet gilt als nahezu perfekt zensiert. Doch die Proteste gegen Japan wurden genau dort organisiert – die so genannte «Große Firewall» hat Löcher bekommen.

Von Peter Schink

In offiziellen chinesischen Medien war über Demonstrationen gegen Japan nichts zu lesen. Anfänglich von der chinesischen Regierung durchaus geduldet, versuchte man in Peking schließlich, die Proteste einzudämmen, um die Beziehungen zu Japan nicht noch weiter zu gefährden. Mit allen Mitteln gingen die Behörden gegen Demonstranten vor, es gab dutzende Festnahmen.

Mehr in der Netzeitung:
Trotz Zensur und Nachrichtensperre gab es aber immer wieder Kundgebungen. Der Protest formierte sich im Internet und per SMS - obwohl die chinesische Regierung viele Nachrichtenseiten zensiert, Sites mit bestimmten Schlüsselwörtern blockiert und Internetcafés überwacht.

600.000 chinesische Blogs

Organisiert wurden die Demonstrationen über die inzwischen unzähligen chinesischen Blogs. Beobachter schätzen, dass es noch vor zwei Jahren gerade einmal 1000 der privaten Internetseiten gab, inzwischen sind es weit über 600.000. Weil diese großteils auf verschiedenen Servern im Ausland liegen, ist die Regierung kaum in der Lage, sie effektiv zu überwachen.

Um nicht zensiert zu werden, sprechen die Aktivisten auf ihren Seiten zum Beispiel nicht von «Protest», sondern verwenden das chinesische Wort für «Frühlingsausflug». In Blogs und Online-Foren sind genaue Protestrouten zu finden, sogar die Slogans für die Demonstranten wurden zuvor im Internet gepostet. So liefern sich die Aktivisten ein Katz- und Mausspiel mit den chinesischen Zensur-Behörden, die inzwischen etwa 50.000 Mitarbeiter allein damit beschäftigen, das Internet und die Telekommunikation zu überwachen.

Organisation per SMS und Skype

Zu den Protesten wird auch per SMS aufgerufen. Etwa 350 Millionen Chinesen besitzen ein Handy – das ist fast jeder vierte Einwohner. Auch die Telefonie-Software Skype nutzt dem Protest. Damit Gespräche werden verschlüsselt übertragen und somit nicht abgehört werden, ein Blockieren der VoIP-Telefonate ist technisch nicht möglich.

Die asiatische Ausgabe des «Wall Street Journal» nannte vergangene Woche die anti-japanischen Proteste bereits den ersten chinesischen Aufstand, der ausschließlich im Internet organisiert wird. Der nationalistisch geprägte Protest zeigt, dass die chinesische Regierung das Internet nicht so weitgehend unter Kontrolle hat, wie im Westen angenommen. Die «Große Firewall» bekommt Löcher.

Mehr im Internet:
In Schanghai haben die Behörden in einem bislang einmaligen Vorgang versucht gegenzusteuern. Vor der großen Anti-Japan-Demonstration am 16. April wurden alle Handy-Besitzer per SMS von der Regierung gewarnt, nicht teilzunehmen. In der SMS hieß es: «Wir rufen alle Bürger dazu auf, ihren patriotischen Gefühlen in der richtigen Art und Weise auszudrücken – sich an die Gesetze zu halten und Ordnung zu bewahren.» Zur Demonstration kamen trotzdem etwa 20.000 Schanghaier Bürger.
 
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