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Das Internet beginnt zu leuchten

10. Mrz 2005 16:47
WLAN-Netz mit vielen Knoten
Die Struktur des Internet wird sich in den kommenden Jahren drastisch ändern. Der Anschluss ans Netz wird immer öfter per Funk erfolgen – und über Umwege.

Wer künftig mit seinem Rechner ins Internet will, wird keinen Provider mehr brauchen. Was in einigen Großstädten bereits Realität ist, könnte schon bald weithin Verbreitung finden: So genannte Mesh-Netzwerke als preiswerte Alternative für Internet-Nutzer.

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Das Prinzip ist einfach: Mehrere Computer verbinden sich mittels drahtloser WLAN-Technik gegenseitig. So entsteht ein Netz an Computern, von denen letztlich nur ein einziger Anschluss ans Internet haben muss, den über Umwege alle nutzen können. Technisch sind dafür nur mehrere WLAN-Router nötig, die miteinander kommunizieren.

In einigen Großstädten haben sich bereits so genannte Freifunk-Netzwerke gebildet, Gruppen von unabhängigen Computer-Fans, die solche Mesh-Netzwerke aufbauen. Im Berliner Osten, in den Stadtteilen Friedrichshain und Mitte wurden mit Hilfe der Technik bereits mehrere Kilometer überbrückt.

Das Problem bislang: Nur wenige WLAN-Router unterstützen die Technik, ihre Funk-Reichweite ist relativ gering. Ein neuer Funkstandard soll das nun ändern: Intel arbeitet an dem neuen WLAN-Standard 802.11s und hat dafür Anfang März erste Spezifikationen veröffentlicht.

Router, die diesen Standard unterstützen, sollen sich künftig mit anderen 802.11s-Routern Mesh-Netzwerke bilden können, die sich selbstständig immer wieder neue Zugangspunkte suchen. Fällt ein Knoten, ein so genannter «Node», im Netz aus, sucht der Router automatisch ein neuen.

Das Mesh-Netz «leuchtet»

Auf diese Weise entstehen riesige Funk-Netze aus Routern, die in Städten ganze Viertel mit Internet «ausleuchten» können. An jedem Punkt ist dann ein Zugang ins Internet möglich.

Jedes Gerät im Mesh-Netz sucht immer den schnellsten Weg für die Datenübertragung. Steht an einem Knoten nicht genug Bandbreite zur Verfügung, ist nach dem neuen Protokoll auch eine Splittung der Daten möglich – dann nimmt etwa der Datendownload einen anderen Weg durchs Mesh-Netz als das Voice-over-IP-Telefonat, das der Nutzer gerade führt.

Sendeleistung begrenzt

Einzig und allein die maximal zulässige Sendeleistung von 100mW begrenzt die Reichweite der Mesh-Netzwerke – wobei mit Richtfunk-Geräten wesentlich höhere Strecken überbrückt werden können. Wie weit mit 802.11s letztlich gefunkt werden kann, steht noch nicht fest.

Das Protokoll wird laut Intel auf den bereits verbreiteten Standards 802.11a/b/g aufbauen. Dadurch können auch ältere Computer ans Mesh-Netz angehängt werden. Bis spätestens Ende 2006 will Intel den Standard verbindlich formulieren, 2007 könnten die ersten Geräte auf den Markt kommen.

WiMax für DSL-freie Zonen

Mesh-Netzwerke könnten von der WiMax-Technik ergänzt werden, vor dem sich vor allem die großen Provider eine deutliche Steigerung der Breitbandanschlüsse erwarten. Mit WiMax können Provider ihre Kunden über eine Entfernung von bis zu 50 Kilometern per Funk anbinden – die Übertragungsrate ist dabei ähnlich hoch, wie bei herkömmlichen DSL-Anschlüssen.

Ende 2005 sollen die ersten Winmax-Geräte in Deutschland auf den Markt kommen, die Telekom will Mitte des Jahres Wimax in zwei Pilotregionen starten. In Siegburg und Rheinbach will das Unternehmen etwa 250 Millionen Euro in die Technik investieren. Mit Hilfe dieser Technik lassen sich künftig auch leicht Gebiete mit Breitband-Internet versorgen, in denen bislang keine DSL-Anschlüsse gelegt werden konnten. (nz)

Mesh-Netz im Berliner Osten - mehrere Kilometer per WLAN-Technik überbrückt
 
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