17. Feb 2005 10:50
Podcasting heißt ein neuer Trend, der sich auch in Deutschland mehr und mehr verbreitet: Weblogger stellen Audiosequenzen online, die an kurze Hörfunksendungen erinnern. Warum, erklärt der Medien-Designer Gerrit van Aaken der Netzeitung im Interview.
Podcasts lassen sich mit Programmen wie iPodder (www.ipodder.org) empfangen, direkt im Web hören oder auf MP3-Spieler übertragen. Die Technik entlehnt ihren Namen vom beliebten Musikplayer iPod.Gerrit van Aaken, Medien-Designer aus Mainz, gehört mit seinem bekannten Design-Weblog «Praegnanz.de» zu den ersten regelmäßigen Podcastern in Deutschland. Die Netzeitung sprach mit ihm über das neue Medium.
Netzeitung: Herr van Aaken, warum podcasten Sie?
Gerrit van Aaken: Ich podcaste, weil ich bei der Geburt eines neuen Mediums dabei sein möchte. Den Weblog-Trend hatte ich zunächst verpennt. Beim Podcast bin ich tatsächlich einer der ersten. Außerdem wollten wir doch alle schon einmal unser eigenes Radio machen... Diesen Jugendtraum kann man sich jetzt erfüllen.
Netzeitung: Wie viele User hoeren Ihnen zu?
Van Aaken: Das lässt sich aus verschiedenen Gründen nicht leicht sagen. Rund 80 Podcast-Fans checken mit ihrer speziellen Software täglich, ob es neue Sendungen gibt. Dazu kommen dann noch die vielen «normalen» Besucher meines Weblogs. Insgesamt wird eine Sendung so etwa 300 Mal abgerufen.
Netzeitung: Welche Technik benötigt man zum Podcasting?
Van Aaken: Beim Aufnehmen bin ich sehr pragmatisch: Das eingebaute Laptop-Mikrofon reicht aus. Im Anschluss wird mit der kostenlosen Software «Audacity» noch ein wenig geschnitten. Danach geht die Sendung als MP3-Datei per FTP-Programm auf meinen Server.
Damit das jedoch ein richtiger Podcast wird, verfasse ich nun einen Eintrag in meinem Weblog, setze einen Link zur eben produzierten MP3-Datei und lasse mir über die Seite Feedburner.com einen speziell fürs Podcasting angepassten RSS-Nachrichtenstrom erstellen, der sich dann von den Usern mit passender Software abfragen lässt.
Ich arbeite jedoch gerade an einer speziellen Server-Software, die das Veröffentlichen von Podcasts sehr viel einfacher machen soll.
Netzeitung: Welchen Inhalt haben Ihre Podcasts?
Van Aaken: Ein richtiges Konzept habe ich, wie so viele Podcaster, noch nicht entwickelt. Ich glaube, es hat ein bisschen was von einer Personality-Show. Im normalen Weblog bringe ich verstärkt fachliche Informationen über Web-Design und Typografie unter, während man im Podcast mehr darüber erfährt, was privat bei mir passiert. Ich plane darüber hinaus außerdem ab und an «Sondersendungen». Beispielsweise wenn George Bush nächste Woche in meine Stadt kommt.
Netzeitung: Wird Weblogs mit den Podcasts eine neue, persönlichere Komponenten zugeführt, wenn man nun auch die Stimme der Blogger hören kann?
Van Aaken: Ich denke nicht, dass Blogger und Podcaster zwingend so viel gemeinsam haben. Es wird in Zukunft viele Leute geben, die ausschließlich podcasten und gar kein richtiges Weblog führen. Man merkt das daran, dass sich ein Großteil der Podcasts um das Vorstellen und Besprechen von Musik dreht. Ob regionale Rock-Bands, GEMA-freie Tracks aus dem Internet oder der eigener Gesang in der Badewanne: Musik ist DAS große Thema.
Netzeitung: Wie wird sich die Podcasting-Szene entwickeln?
Van Aaken: Ich hoffe, dass wir in Zukunft kein Radio mehr hören müssen. Podcasting wird sich in den nächsten Jahren zu einer echten Alternative entwickeln. Und jeder kann mitmachen.