10. Feb 2005 10:48
Keinen Monat war er bei der Suchmaschine beschäftigt: Ein Blogger, der sich erstaunlich offen über seine ersten Erfahrungen bei Google ausließ, wurde nun von der Firma entlassen.
Jen wurde von seinem Job als Associate-Produkt-Manager bei der Suchmaschine Google nicht etwa wegen schlechter Arbeit gefeuert: Kündigungsgrund war sein erstaunlich offen geführtes Netztagebuch. Im Weblog «ninetyninezeros» schilderte er detailliert seine ersten Erfahrungen bei dem Unternehmen - vom Eintrittstermin über die ersten Tage bis hin zu einem Ski-Ausflug für Mitarbeiter, an dem er teilnehmen durfte.Dabei sparte Jen auch nicht an Kritik: So verglich er die schlechteren Google-Leistungen bei der Krankenversicherung mit denen seines vorherigen Arbeitgebers Microsoft. Zudem «entlarvte» er die von Google angebotenen weitreichenden Dienstleistungen für Mitarbeiter (vom Betriebszahnarzt bis zum Wäscheservice) als Methode, die Angestellten dazu zu bewegen, möglichst viel und lange zu arbeiten: «Eigentlich könnten Sie auch einen Schlafsaal auf dem Google-Campus aufbauen.»
Zu Anfang war Jens Blog bereits kurze Zeit offline - auf Druck seitens des Google-Managements, wie er angab. Seine Chefs seien aber «sehr cool» wegen seinem Weblog gewesen, schrieb er. Dennoch müsse er darauf achten, was er schreibe. Jen änderte seinen Stil aber dennoch nicht. Am Mittwoch machte dann die Nachricht in der Blogger-Szene die Runde, dass der Google-Blogger entlassen worden sei - eine Sprecherin bestätigte wenig später, dass «Herr Jen nicht mehr Mitarbeiter bei Google» sei. Ein Grund wurde nicht angegeben, doch Jen teilte Freunden mit, dass er tatsächlich wegen seinem Blog gefeuert wurde.Die Blogger-Szene, in der Google traditionell hohes Ansehen genießt, reagierte unterschiedlich auf die Nachricht: Während die einen meinten, Jen habe keinen guten Eindruck hinterlassen, wenn er bereits am ersten Tag eher negativ von seinen Erlebnissen im Netz schreibe, meinten andere, sie könnten Google, das selbst einen eigenen Blog-Dienst betreibt, nicht verstehen. Jen selbst schrieb inzwischen auf «ninetyninezeros», dass er sich in den nächsten Tagen mit Details zurückmelden wolle.