21. Dez 2004 10:37
Nach der Drohung der US-Filmindustrie, sie mit einer Klagewelle zu überziehen, sind wichtige Websites des Tauschnetzes Bittorrent offline gegangen. Die Furcht vor Millionenstrafen geht um.
Seit dem Wochenende ist eine zentrale Website des Tauschnetzes BitTorrent, das Angebot «Suprnova.org», nicht mehr erreichbar. Auch weitere wichtige Angebote, die als Anlaufpunkte für BitTorrent-Nutzer dienten, seien offline gegangen, berichtet der US-IT-Nachrichtendienst «News.com».Die Dienste sehen sich von Millionen schweren Schadenersatzforderungen der US-Filmindustrie bedroht. Diese hatte in der vergangenen Woche angekündigt, künftig massiv gegen Angebote innerhalb der zunehmend populären Tauschnetze BitTorrent und eDonkey/eMule vorzugehen.
BitTorrent arbeitet eigentlich als dezentrales Netz. Ein Angriffspunkt ist allerdings, dass zur Nutzung so genannte «Tracker-Dateien» verteilt werden müssen, die auf Websites lagern - nur mit diesen ist ein Herunterladen von Filmen oder Musik möglich. «Suprnova.org» war größter Verteiler dieser Tracker-Dateien. In einem Posting im Diskussionsnetz Usenet hieß es, man habe sich schweren Herzens für ein Abschalten entschieden: «Es ging nicht mehr anders», so die Macher. Falls Suprnova.org weiter machen werden, dann «ganz sicher ohne Tracker-Dateien».Unklar ist derzeit, was in den Klageschriften steht, die Bittorrent-Betreibern laut Medienberichten bereits zugegangen sein soll. Beobachter gehen aber von hohen Strafforderungen aus. Prozesse um Bittorrent hat es bislang noch nicht gegeben, von Klagen gegen einzelne Nutzer sah der Branchenverband der Hollywood-Industrie, die amerikanische MPAA, bislang sowieso noch ab. Vorerst wolle man sich auf die Betreiber großer Server konzentrieren, hieß es.
Ähnliche Aktionen wie gegen Bittorrent-Angebote wurden auch gegen Betreiber von Servern für das konkurrierende Tauschnetz eDonkey/eMule eingeleitet. Während hier in Deutschland bereits Erfolge der Raubkopiererjäger zu verzeichnen sind, scheinen US-Site-Betreiber sich bislang nicht einschüchtern zu lassen. Viele der Angebote sind bislang noch online. Bram Cohen, Autor von Bittorrent, wunderte sich unterdessen gegenüber «News.com», warum die Filmindustrie nicht früher gegen Raubkopierer vorgegangen sei. «Der Hauptgrund, dass Warez (Raubkopien) so groß geworden sind, liegt darin, dass nicht dagegen vorgegangen wurde.»