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Google digitalisiert Bibliotheksbestände

14. Dez 2004 10:58
Google will das Wissen der Menschheit zu den Menschen bringen. Dazu sollen viele Millionen Bücher führender amerikanischer Bibliotheken im Internet publiziert werden.

Google und mehrere führende Universitäten in den USA werden laut Zeitungsberichten am Dienstag ankündigen, in den kommenden Jahren gemeinsam Bibliotheksbestände zu digitalisieren. Beteiligt sind die Oxford University, die University of Michigan, die New York Public Library und die Bibliothek der Universitäten in Harvard und Stanford.

Google plant, alle Bücher, die aufgrund ihres Alters keinem Copyright unterliegen, vollständig unentgeltlich im Internet zugänglich zu machen. Finanziert werden soll das Projekt durch Werbung. Die «New York Times» berichtet, die Universitäten bekämen im Gegenzug eine Kopie ihrer Daten.

Umfang der Arbeit kaum abzusehen

Wie lange Google benötigen wird, um die Bücher der Bibliotheken einzuscannen, ist unklar. Die Firmenzentrale rechnet mit einer Dauer von mindestens zehn Jahren, berichtet die Zeitung. Allein die Bodleian Bibliothek der Oxford University besitzt schätzungsweise zehn Millionen Bände, in New York lagern mehr als dreißig Millionen Bücher. Zwar sollen die Bestände nicht komplett digitalisiert werden, trotzdem ist der Umfang der Arbeit kaum abzusehen.

Für das Projekt will das Unternehmen mehrere Millionen Dollar investieren. Geld, dass Google beim Börsengang in diesem Jahr eingenommen hat. 15 Millionen Bände sollen zunächst gescannt werden, heißt es bei Google, die Kosten werden auf etwa 10 Dollar pro Buch geschätzt.

Google plane, bei der Stanford-University zunächst 50.000 Bücher pro Monat zu scannen, so ein Mitarbeiter des Unternehmens zur «NYT». Die Bücher werden dazu eigens zur Google-Firmenzentrale gefahren, wo genügend Platz ist. Bei anderen Bibliotheken will Google eigene Einrichtungen für das Scanprojekt aufbauen.

Frage der Technik

Mit jeder einzelnen Bibliothek wurden in den vergangenen Monaten detaillierte Verträge ausgearbeitet. So sollen von der Bodleian Bibliothek nur die Bücher eingescannt werden, die vor 1900 veröffentlicht wurden. Die Harvard University will in einem ersten Schritt 40.000 Bücher zur Verfügung stellen, Michigan stellt sieben Millionen, die Stanford University acht Millionen Bücher.

Es sind jedoch keine Exklusiv-Verträge. Jedes andere Unternehmen kann jederzeit ins Scannen und Publizieren einsteigen und sein eigenes Glück mit der Werbefinanzierung des Projekts versuchen.

Mit welcher Technik Google arbeiten wird, will das Unternehmen nicht verraten. Erste Scanner, die automatisch Buchseiten umblättern, gibt es seit kurzem. Ein Mitarbeiter sagte der «NYT», Google verwende derzeit wesentlich ältere Scanner, als verfügbar sind.

Frage der Technik

Die Google-Gründer wollen mit dem Projekt einen lange gehegten Traum verwirklichen. Sergey Brin und Larry Page hatten sich als Doktoranden an der Stanford University kennengelernt – bei einem Projekt zur Digitalisierung von Büchern. Page sagte am Montag, «was wir damals in Stanford diskutiert haben, wird nun Wirklichkeit»: Die Erschließung des Wissensfundus der Menschheit für ein möglichst großes Publikum sei schon damals ihr Ziel gewesen. Sie kehren nun, wie sie sagen, zu den Ursprüngen von Google zurück.

Der Präsident der Universität in Harvard ist ebenso begeistert. «Wir haben immer schon daran gedacht, unsere Bibliotheken weltweit als Ressource zur Verfügung zu stellen», sagte er. Daniel Greenstein von der Digitalen Bibliothek der University of California denkt bereits einen Schritt weiter. Er sagte, Bibliotheken könnten sich bald mehr darauf konzentrieren, Informationen für jedermann zusammenzusuchen und verfügbar zu machen, statt ihre Zeit mit dem Sortieren von Büchern zu verbringen. «Unsere Welt ist dabei, sich sehr, sehr zu verändern.» (nz)

 
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