29.11.2004
Herausgeber: netzeitung.de
Australisches Gericht soll Kazaa stoppen
Die Internet-Tauschbörse Kazaa, die illegal Songs in Umlauf bringt, konnte von der Musikindustrie bislang nicht gestoppt werden. Nun kommt der Fall in Australien vor Gericht.
Kazaa, eine der beliebtesten Musiktauschbörsen im Internet, hat rund 100 Millionen Benutzer, die nach Angaben der Plattenindustrie bis zu drei Milliarden Dateien im Monat herunterladen - die meisten davon illegal. Bislang gelang es der Musikbranche dennoch nicht, Kazaa verbieten zu lassen. Der Grund: Die Firma besitzt eine komplizierte rechtliche Struktur, die Klagen erschwert.
Verfahren in SydneyDie australische Plattenlobby hat nun in Sydney eine Klage gegen Kazaa angestrengt, weil Kazaa-Chefin Nikki Hemming in der Stadt lebt. Ein Bundesgericht soll nun feststellen, ob Kazaa-Besitzer Sharman Networks tatsächlich für die Urheberrechtsverletzungen seiner Nutzer haftbar zu machen ist.
Bislang hatte die Firma stets betont, sie fördere Piraterie nicht und könne nicht kontrollieren, was ihre Nutzer mit der Software täten. Ein Gericht in den Niederlanden hatte dies im vergangenen Jahr bestätigt. In den USA ist eine entsprechende Klage noch anhängig.
Beweise gesammeltFalls die australische Musikindustrie gegenüber Sharman Networks Recht bekommt, könnte dies zu einer weiteren Klage im nächsten Jahr führen. In dem Verfahren würde dann die tatsächliche Schadenssumme festgesetzt, die der Kazaa-Betreiber für die Urheberrechtsverletzungen seiner Nutzer zu zahlen hätte. Die Summe könnte im mehrstelligen Millionenbereich liegen.
Belastende Beweise gegen die Tauschbörse sind laut der australischen Musikindustrie bei mehreren Razzien in Sharman-Büros gesammelt worden. Der Kazaa-Betreiber hatte ohne Erfolg gefordert, die Beweise erst gar nicht zuzulassen. Ein Vertreter der australischen Plattenindustrie sagte US-Medien, dass hinter Kazaa knallharte Gewinninteressen stünden. Die Firma tue zwar so, als ob sie sich in erster Linie für die Musikfans einsetze, hieß es. In Wirklichkeit wolle sie nur deshalb viele Nutzer anziehen, um hohe Werbeeinnahmen zu erzielen.