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Seekport will Google Konkurrenz machen

20. Okt 2004 09:13
Joachim Kreibich
Seekport nennt sich eine neue deutsche Suchmaschine, die versucht, gegen den großen Marktführer Google anzutreten. Dafür gebe es durchaus Bedarf, sagte Geschäftsführer Kreibich der Netzeitung.

Netzeitung: Herr Kreibich, ist es überhaupt sinnvoll, bei der heutigen Dominanz von Google eine weitere Suchmaschine zu starten?

Joachim Kreibich: Ja, und zwar aus zweierlei Sicht:

Wir wollen mit einer qualitativ hochwertigen, lokal-fokussierten Suche die jeweiligen Ländermärkte erobern. Daher treten wir auch nicht gegen Google weltweit an, sondern in den einzelnen europäischen Märkten. Diese nationale Suche wird teilweise von den großen Suchmaschinen, die sich vor allem auf die US-amerikanische Suche konzentrieren, vernachlässigt. Diese Qualitätslücke in Europa werden wir Land für Land schließen. In Deutschland - und seit kurzem in Frankreich - sind wir bereits mit einer Suche online. Im Jahr 2004 werden wir auch noch in Großbritannien aktiv werden, 2005 folgen Italien und Spanien.

Ein zweites Argument für einen weiteren Suchtechnologie-Anbieter betrifft den B-to-B-Markt: Im Suchmaschinenmarkt ist es in der letzten Zeit zu einem Konzentrationsprozess gekommen, der zu neuen Konkurrenzbeziehungen geführt hat. Dadurch wird es über kurz oder lang Bedarf an einer unabhängigen Suchtechnologie wie der von Seekport geben.

«Aktives Qualitätsmanagement»

Mehr in der Netzeitung:
Netzeitung: Was kann Seekport besser als Google?

Kreibich: Seekport liefert grundsätzlich eine qualitativ hochwertige und schnelle Suche. Das liegt neben der bewährten Suchtechnologie auch an unserem aktiven Qualitätsmanagement. Wir sind die einzige Suchmaschine, die sich ein Indexteam für jede Ländersuche leistet. So können wir gezielt gegen Spam, Dialer, versteckte Werbung und unnötige Weiterleitungen zu Online-Shops vorgehen, aber auch sinnvolle, erwünschte Inhalte in unserem Index ergänzen.

Zudem bieten wir mit unserer Themen-orientierten Suche in insgesamt acht Themenbereichen eine so genannte «Vertical Search»-Funktion, über die keiner unserer Konkurrenten derzeit verfügt. Der Nutzer kann mit der Themensuche seine Suchanfrage weiter strukturieren, was die Trefferqualität zusätzlich erhöht.

Netzeitung: Woher stammt Ihre Technologie?

Kreibich: Die Seekport-Suche wurde von der Münchener Arexera Information Technologies GmbH, einem der vier Gesellschafter von Seekport, entwickelt und auch schon erfolgreich bei Infoseek [inzwischen in Deutschland eingestellt, Anm. d. Red.] eingesetzt. Seit dem damaligen Einsatz bei Infoseek wurde die Suchmaschinentechnologie stark weiterentwickelt.

Dazugekommen ist etwa die Themensuche in den acht Kernbereichen. Als Themenbereiche dieser so genannten Vertical-Search-Technologie stehen aktuell «Wirtschaft und Finanzen», «Gesundheit», «Auto und Motorrad», «Kultur und Unterhaltung», «Computer und Technik», «Sport», «Reisen und Freizeit» sowie «Gesellschaft und Politik» zur Verfügung.

Netzeitung: Wie finanziert sich Ihr Dienst?

Kreibich: Seekport ist neben dem Consumer-Bereich vornehmlich im B-to-B-Bereich aktiv und entwickelt individuelle Suchtechnologie-Lösungen etwa für Medienunternehmen, Portale und Online-Angebote. Mehrere Tageszeitungsverlage nutzen schon die Seekport-Suchtechnologie für ihre Archiv-Suche, unter anderem «Die Welt» und das «Hamburger Abendblatt». Seekport ist zudem größter «Back-Fill»-Lieferant von Espotting Media [Anbieter von Suchmaschinen-Werbung, Anm. d. Red.] und steht – für den Nutzer nicht sichtbar – hinter der Suche der Portale von Freenet.de, Sport1, Sat.1, N24, ProSieben, allesklar.de und anderen.

Netzeitung: Sie planen, zu einer der «führenden Suchmaschine Europas» zu werden - haben Sie dafür auch den finanziellen langen Atem?

Kreibich: Zum Gesamtinvestment machen wir keine Angaben. Aber wir verfügen durch unsere Gesellschafterstruktur über eine solide Finanzierung. Für die Markteintrittsphase in Europa sind wir finanziell sehr gut aufgestellt. Ziel ist es, in jedem Land innerhalb von zwei Jahren kostendeckend zu arbeiten.

Spezialsuchen

Mehr im Internet:
Netzeitung: Wie wollen Sie Seekport bekannt machen?

Kreibich: Wir haben bereits einige gezielte Kommunikationsmaßnahmen ergriffen, um Seekport bekannt zu machen, wie etwa eine Banner- und Plakatkampagne. Flankiert werden diese Maßnahmen von zahlreichen PR-Maßnahmen und konkreten Medienkooperationen. Dabei setzen wir in der Kommunikation konsequent auf die Qualität unseres Produktes. Aktuell ist etwa unsere «Fang den Dialer-Aktion» mit der «ComputerBILD» gestartet. Wir setzen darauf, dass sich so unsere Qualität bei den Nutzern herumsprechen wird.

Netzeitung: Sind zusätzliche Angebote zur reinen Websuche ein Gebiet, auf dem Konkurrenz zu Google noch möglich ist?

Kreibich: Ja, wenn sie sich auf unsere Kernkompetenz, die Suche, konzentrieren. Das schließt natürlich auch Spezialsuchen ein. Derzeit laufen zahlreiche Gespräche mit Portalbetreibern und Verlagen zur Entwicklung individueller Suchfunktionalitäten. Da sehen wir unserer Hauptgeschäftsfeld.

Netzeitung: Was halten Sie vom Trend zur Nachrichtensuche?

Kreibich: Bei uns finden sich Informationen aus den wichtigen Themenbereichen Gesellschaft und Politik bereits am nächsten Tag im normalen Index wieder (innerhalb von zwölf bis 24 Stunden). Wir versuchen so, dem täglichen Informationsbedürfnis der Nutzer zu entsprechen. Die Notwendigkeit einer separaten News-Suche besteht also bei Seekport nicht.

 
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