11.10.2004
Herausgeber: netzeitung.de
Dotcomtod, die bekannte New-Economy-Todesseite, ist seit dem Wochenende offline. Der Grund ist offenbar interner Streit.
Kaum eine deutsche Website sorgte in der Internet-Szene für mehr Kontroversen: Dotcomtod (DCT), der «führende Anbieter für exitorientierte Unternehmensmeldungen», begleitete den Niedergang der «New Economy» ebenso wie den verwandter Branchen wie etwa der Medien.
Seit Jahren onlineKritisch, ironisch und oft aus der Insider-Perspektive geschrieben, machten sich die Mitglieder der DCT-Community über fehlgeschlagene Geschäftsmodelle und wenig sinnvolle Business-Pläne her. Es entstanden Jahresberichte und schließlich auch ein erfolgreiches Buch namens «Liquide», in dem Don Alphonso, einer der führenden DCT-Schreiber, mit der New Economy-Periode abrechnete. Über drei Jahre gibt es die Seite inzwischen.
Seit dem Wochenende sieht es für Dotcomtod allerdings nicht mehr gut aus: Erst wurde das Angebot unverständlicherweise auf das private Weblog der Mitbegründerin «Lanu» umgeleitet, dann schaltete man die Seite auf ein einfaches Logo um. Von den Inhalten und der Internet-historisch wertvollen DCT-Datenbank ist nichts mehr zu sehen. «Wir haben ein paar Fehler gemacht», schrieb Don Alphonso dazu in seinem eigenen Weblog.
Forums-NekrologDie genauen Gründe, warum Dotcomtod offline ging, wurden nicht genannt - offenbar kam es innerhalb der (anonymen) Redaktion des Dienstes zu Streitigkeiten über die rechtliche Haftung für das Angebot. Ein Blick in ein eilig gestartetes DCT-Forum, dass Platz für einen «Nekrolog» bieten soll, macht den Leser ebenfalls nicht klüger.
Aus DCT-Redaktionskreisen hieß es unterdessen, einer der Gründer spiele offenbar verrückt, habe der Redaktion zwar die volle Verantwortung, aber nicht die Website übergeben wollen. Eine Chance für einen Neustart des aus Sicht der kritisierten Unternehmen höchst umstrittenen Angebotes gibt es allerdings: Die Datenbank sei weiterhin verfügbar.