netzeitung.deDas Internet wird 35

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Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Ende der 60er Jahre in Amerika gestartet, nutzt es heute jeder zweite Deutsche. Ein Rückblick auf 35 Jahre Internet.

Ende der 60er hat alles damit begonnen, dass nur zwei Computer miteinander kommunizierten. Wenn sich die Gründungsstunde des Internets überhaupt auf einen genauen Termin festlegen lässt, so ist es der 2. September 1969. An der Universität von Kalifornien (UCLA) wurde der erste Computer an einen Vorläufer der heutigen Router angeschlossen und damit das Arpanet gestartet. Rund einen Monat nach dem UCLA-Host schloss sich das Stanford Research Institute an, es kommt zu einem ersten Kontakt der beiden Rechner.

1971 waren bereits fünfzehn Computerzentren in das Arpanet eingebunden.

Die Arpa (Advanced Research Projects Agency) war eine Forschungsbehörde, die die amerikanische Regierung nach dem «Sputnik»-Schock im Jahre 1957 eingerichtet hatte. Sie sollte den USA einen Technologievorsprung vor der Sowjetunion verschaffen und technische Visionen auf ihre Realisierbarkeit prüfen.

Die Arpa unterhielt keine eigenen Forschungseinrichtungen, sondern kooperierte mit Universitäten und der Industrie. Durch die Vernetzung einzelner Zentren sollten die einzelnen Ressourcen gebündelt und die Kommunikation erleichtert werden.

Der E-Mail-Motor
Zu Beginn gab es zwei Anwendungen für das neue Netzwerk. «Telnet» sollte es den Forschern ermöglichen, fremde Rechner fernzusteuern, «FTP» war ein Programm, um Daten zwischen Computern auszutauschen. Eine andere Anwendung aber war es, die die bis dahin eher geringe Akzeptanz des Arpanets ab 1971 schlagartig steigerte: Die E-Mail. Kurz nach Veröffentlichung des ersten Mailprogramms überstieg das Datenvolumen der elektronischen Post das von Telnet und FTP deutlich.

Ein Netz, das ursprünglich nur Computer miteinander verbinden sollte, entwickelte sich so zu einer Kommunikationsplattform.

Eine Sprache für alle Netze
Mit der wachsenden Popularität des Arpanet stiegen gleichzeitig die Anforderungen. Viele lokale Universitätsnetzwerke wollten sich dem «einen großen» Netz anschließen. Das Arpanet war zwar in der Lage, unterschiedliche Hardware-Plattformen zu integrieren, ganze Sub-Netze aufzunehmen aber war schwierig. Die einzelnen Netze benutzten herstellerbedingt verschiedene Formen der Kommunikation. Das «Internetworking» (das Verbinden von Netzwerken) wurde schließlich durch das TCP/IP-Protokoll möglich.

Damit Dateien von Computer zu Computer geschickt werden können, werden sie in kleine Pakete aufgeteilt. TCP/IP überwacht den Austausch dieser Pakete, regelt den Verkehr im Netzwerk. Es leitet die einzelnen Pakete so um, dass kein Teil des Netzes überlastet wird. Einzelne Teile der Datei können dabei völlig unterschiedliche Wege gehen. TCP/IP gibt außerdem jedem einzelnen Netzwerk und jedem darin vorhandenen Computer eine eigene Nummer.

Alle Daten gehen also zunächst an den «Hauptrechner» («Gateway») des lokalen Netzwerkes und können von da aus zum Zielrechner versendet werden. 1983 wurde das Arpanet selbst auf TCP/IP umgestellt, manche sprechen hier von einer zweiten Geburtsstunde des Netzes. Zu diesem Zeitpunkt waren 4000 Hosts angeschlossen. Noch heute ist das 20 Jahre alte Protokoll der Standard.

Die über TCP/IP mit dem Arpanet verbundenen Netzwerke wurden zunächst «Arpa Internet» genannt, später setzte sich der Begriff Internet durch.

Das Usenet – Weltweites schwarzes Brett
Bis Anfang der 80er Jahre war die Netzwelt nur für die Menschen zugänglich, die an einem Projekt der Arpa arbeiteten. Das änderte sich mit dem Usenet. Über eine normale Telefonleitung konnten Daten zwischen zwei Computern mit dem Unix-Betriebssystem ausgetauscht werden.

Mit dem Usenet entwickelte sich ein vom Internet zunächst separates Kommunikationsnetzwerk. An das Usenet, oftmals als «weltweites schwarzes Brett» bezeichnet, waren 1980 15 Computer angeschlossen, pro Tag wurden circa zehn Nachrichten ausgetauscht. Fünf Jahre später gingen knapp 400 Mitteilungen über die Leitungen.

Mitte der 80er wurde ein Programm entwickelt, mit dem sich das Usenet auch über TCP/IP-Leitungen betreiben ließ. Seitdem wird der Datenaustausch des Usenet größtenteils über das Internet betrieben.

Nach und nach wurden die Diskussionsforen (Newsgroups) hierarchisch nach Themengebieten gegliedert. Wie viele Newsgroups es heute gibt, ist schwer zu sagen, Schätzungen gehen von über 50.000 einzelnen Gruppen aus. Im Archiv der Suchmaschine Google können Diskussionen seit 1981 nachvollzogen werden.

Ende des Arpanet
Mitte der 80er Jahre spaltete sich der militärische Teil des Arpanets in das separate Milnet ab. Zu groß waren divergierende Interessen zwischen Wissenschaft und Militär geworden, wie das Netzwerk zu nutzen sei.

Die National Science Foundation (NSF) hatte zu dieser Zeit ein eigenes Netzwerkprojekt gestartet. 1984 gründete sie mit dem NSFNET ein landesweites Forschungsnetz, zu dem immer mehr Wissenschaftler Zugang verlangten. Um das große Datenvolumen meistern zu können, schuf die NSF eine Hauptleitung, ein sogenanntes Backbone, zwischen großen Rechenzentren. Ziel des NSFNET war es, Forschern quer über das Land, unabhängig von ihrer institutionellen Zugehörigkeit, Zugang zu den Kapazitäten der großen Rechenzentren zu gewährleisten.

Schnell wurde deutlich, dass das NSFNET mit seinen Hochgeschwindigkeitsleitungen die Hauptlast des Internetverkehrs trug und immer mehr Aufgaben des Arpanets übernahm. Die Arpa entschied daher 1990, das Arpanet aufzulösen. Von den Benutzern nahezu unbemerkt übernahm das NSFNET alle Funktionen des Ur-Netzes.

Das World Wide Web – Internet für alle
Seine Popularität erlangte das Internet erst in den 90er Jahren durch das World Wide Web.
Der Forscher Tim Berners-Lee baute am europäischen Forschungszentrum Cern in Genf ein Hypertext-System auf. Dokumente von allgemeinem Interesse wollte er für alle Mitglieder der Forschungseinrichtung verfügbar machen. Über Verknüpfungen innerhalb eines Textes konnte der Benutzer mit einem Mausklick zu einem anderen Text springen.

Angelehnt an dieses System entwickelte sich das World Wide Web, ein weltweiter Verbund solcher Hypertext-Dokumente, der über das Internet abrufbar ist.

Um diese Dokumente zu betrachten, benötigt man einen Webbrowser. Anfangs konnten die Browser nur Text darstellen, später auch Grafiken.

Insbesondere der Browser NSCA Mosaic aus dem Jahr 1993 macht das World Wide Web mit einer einfach zu bedienenden graphischen Benuteroberfläche für die breite Masse zugänglich. Besondere technische Vorkenntnisse waren nicht mehr nötig.

Anfang 2004 benutzen nach einer Studie von ARD und ZDF mit 34,4 Millionen Erwachsenen die Hälfte aller Deutschen das Internet. Bei den 14- bis 19-Jährigen sind es sogar über 90 Prozent.


Für das Web ediert von Fabian Wagner