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Datenklau aus Handy über
große Entfernung möglich

10. Aug 2004 14:58
Nokia 6310i (l.) und Sony Ericsson T610
Sicherheitslücken der Bluetooth-Funktionen bestimmter Handys sind gefährlicher als bisher angenommen. Aus bis zu 1,7 Kilometern Entfernung sind Hacker-Angriffe möglich.

Eine Gruppe von fünf Bluetooth-Experten hat nach eigenen Angaben den Nachweis erbracht, dass mit Bluetooth-Funkverbindungen Datenübertragungen über eine Distanz von 1,08 Meilen (1,74 Kilometern) möglich sind.
Mehr in der Netzeitung:
Damit ist die Gefahr einer «BlueSnarf»-Attacke weit größer als bislang angenommen. Laut der Homepage «Xonio.com» sind die Mobilfunktelefone 6310 und 6310i von Nokia sowie T68i, T610, T630 und Z600 von Sony Ericsson bei bestimmten Firmware-Versionen für Attacken über das Kurzstrecken-Funkübertragungssystem Bluetooth anfällig. Durch eine Sicherheitslücke ist es Angreifern möglich, drahtlos Daten wie Adressverzeichnis, Kalender und Gerätenummer (IMEI) aus dem Telefon auszulesen, ohne dass das Display es anzeigt.

Funkreichweite größer als bisher angenommen

Bisher galten Herstellerinformationen, die die maximale Reichweite von Bluetooth mit zehn Metern angeben. Dadurch konnten sich Handynutzer trotz Sicherheitslücke gegenüber einem Datenklau relativ sicher wähnen, da der Angreifer mit Laptop dem Opfer relativ nahe kommen musste.

Mehr im Internet:
Den Bluetooth-Experten gelang jetzt mit modifizierten Empfangseinrichtungen aus dem Wireless-LAN-Bereich ein BlueSnarf-Angriff auf ein unmodifiziertes Handy über eine Entfernung, die etwa dem 170-fachen der von den Herstellern angegebenen Funkreichweite entspricht. Dadurch muss die Sicherheitslücke als sehr viel gefährlicher betrachtet werden als bisher.

Mit der nun festgestellten Funkreichweite erhöht sich auch die Gefahr der sogenannten Chaos-Attacke, bei der die erwähnten Handys per Bluetooth dazu gebracht werden können, SMS zu versenden oder 0190-Nummern anzuwählen.

Abschalten der Bluetooth-Funktion

Absoluten Schutz vor den Funk-Angriffen gibt es momentan nur durch vollständiges Deaktivieren der Bluetooth-Funktion. Dadurch müssen Benutzer aber auch auf Funktionen wie Synchronisieren von Kalender und Adressen zwischen Computer und Telefon verzichten oder auf Datenübertragung per Kabel umsteigen.

Laut «heise online» sind nur bestimmte Firmware-Versionen der betroffenen Handys mit der «BlueSnarf»-Attacke angreifbar: Beim Nokia 6310 ist es Version 4.10, beim Nokia 6310i sind es die Versionen 4.07, 5.50 und 5.51. Sony Ericssons T68i kann bei Version R2B025 angegriffen werden, das T610 bei R1A081, das T630 bei R4C003 und das Z600 bei R2E004.

Firmware-Updates teilweise verfügbar

Welche Firmware-Version auf dem Mobiltelefon läuft, erfährt der Nutzer, wenn er bei Nokia-Handys die Tastenfolge *#0000# eingibt. Bei Sony-Ericsson-Geräten muss => * <= <= * <= * eingegeben werden, wobei <= und => für Joystickbewegungen nach links und rechts stehen. Nach dieser Eingabe erscheint ein Menü, darin muss «Service Information» und dann «SW Information» ausgewählt werden.

Für einige betroffene Firmware-Versionen kann ein Update eingespielt werden, das das Sicherheitsloch schließt. Bisher war weder bei Nokia noch bei Sony Ericsson eine Stellungnahme mit Details zu Verfügbarkeit und Durchführung der Software-Updates zu erhalten.

Ein Berliner Nokia-Shop gab die Auskunft, dass nur Updates für Geräte, die weniger als ein Jahr alt sind, kostenlos seien. Andernfalls koste das Update 15 Euro. Da das Nokia 6310 aber schon seit 2001 im Handel ist, müssen nach dem aktuellen Kenntnisstand viele Handybesitzer für den Softwarefehler von Nokia aus eigener Tasche bezahlen.

 
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