Studie: Raubkopierern fehlt Gefühl für Unrecht
07. Jul 2004 14:04

Für viele ist Raubkopieren Teil des Alltags, obwohl eigentlich jeder weiss, dass es gegen das Urheberrecht verstößt. Eine neue Studie sucht nach den Gründen.
Eine vom Software-Hersteller Microsoft in Auftrag gegebene Studie ergab, dass Eigentumsdelikte bei digitalen Medien gefühlsmäßig als weniger gravierend angesehen werden als bei anderen Waren. Vielen fehle das intuitive Verständnis, dass ein Diebstahl vorliege, wenn beispielsweise ein Programm kopiert werde, da niemandem etwas weggenommen werde wie etwa beim Ladendiebstahl.
Widersprüchliches Verhalten
Die Studie mit dem Titel «Digitale Mentalität» stützt sich auf Online-Umfragen und Gespräche mit Experten. Sie ergab, dass Raubkopieren für einen Großteil der Anwender zum alltäglichen Leben gehört. Gerade die mit dem digitalen Vervielfältigen verbundene Anonymität gegenüber dem Rechtsinhaber fördere das. Andererseits war bei den meisten Befragten Nutzern Verständnis dafür vorhanden, dass Raubkopieren eine Straftat darstellt. Aus diesem Bewusstsein resultiert jedoch nicht ein entsprechendes Verhalten.
Digitale Ehrlichkeit nötig
Die Androhung von Sanktionen kann laut der Studie die Anwender nicht vom illegalen Kopieren von Software abhalten. Die wichtigsten Kopiervorgänge fänden im Freundes- und Familienkreis im Rahmen des dort üblichen Gebens und Nehmens statt. Die dabei wirksamen Dynamiken überwögen rechtliche Regelungen. Statt dessen empfehlen die Autoren den Inhabern an digitalen Rechten auf eine «Digitale Ehrlichkeit» hinzuwirken. Eine wichtige Grundlage sei in diesem Zusammenhang, dass die meisten User den gewerblichen Einsatz von Raubkopien als Straftat einstufen und auch seine konsequente Strafverfolgung fordern. (nz)