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TV-Werbeblocker drängen nach Deutschland

28. Jun 2004 17:57, ergänzt 18:16
Mit der Entscheidung des Bundesgerichtshofs, einen TV-Werbeblocker zu erlauben, steht ein Dammbruch bevor. Neue digitale Videorekorder machen Schluss mit vorgegebenen Fernsehprogrammen.

In einem Jahre andauernden Streit um die Zulässigkeit eines Blockierungsgerätes für TV-Reklame wurde dem Hersteller nun vom Bundesgerichtshof Recht gegeben - der Verkauf des so genannten «Fernsehfee»-Systems, das inzwischen nicht mehr angeboten wird, war rechtmäßig. Hersteller TC, eine kleine Firma aus Koblenz, will nun den Nachfolger «Tivion» vermarkten - eines von mehreren ähnlichen Systemen.

Während Kläger RTL erwägt, vor das Bundesverfassungsgericht zu ziehen, sehen Experten bereits eine Welle neuer Geräte auf den deutschen Markt drängen: Der TV-Trend aus den USA, so genannte digitale Videorekorder mit Werbe-Vorspulfunktion zu nutzen, kann sich nun auch hier zu Lande durchsetzen.

Automatisch herausgeschnitten

Mehr in der Netzeitung:
Die so genannten «Personal Video Recorder»-Geräte, kurz PVRs, funktionieren nach einem einfachen Prinzip: Sie nehmen TV-Sendungen nicht mehr auf Videoband auf, sondern direkt auf einer Festplatte. So wird nicht nur ein sofortiges Zurückspulen von Aufnahmen möglich, ohne dass man den Rest der Sendung verpassen würde, sondern auch das schnelle Wegblenden von Werbung. Modelle von großen Herstellern wie «Tivo» oder «ReplayTV» schneiden Reklame aus Aufzeichnungen auch automatisch heraus - programmierbar sind sie ganz einfach über das Internet, wenige Klicks mit der Fernbedienung genügen.

Neben PVR-Geräten, die man ins Wohnzimmer stellt, werden auch in den Rechner eingebaute Videolösungen zunehmend beliebter - so verkauft etwa Aldi-Lieferant Medion kaum noch einen seiner PCs ohne so genannte Tunerkarte. Mit passender Software ist es auch hier möglich, Werbung automatisch aus Aufzeichnungen entfernen zu lassen - so etwa mit einer neuen Software namens «Skip it». Sie sammelt Schnittlisten im Internet, die zentral nach Ausstrahlung einer Sendung erstellt werden - so ist sichergestellt, das tatsächlich nur Werbung weggeschnitten wird.

Jederzeit abrufbereit

Mehr im Internet:
PVRs wie Tuner-Programmen im PC ist gemeinsam, dass sich TV-Sendungen nach ganz neuen Mustern sortieren lassen - Programmführer ermöglichen die Programmierung genau nach persönlichem Geschmack. Die Geräte zeichnen auf, während man unterwegs ist, legen die Sendungen dann auf der Festplatte zum jederzeitigem Abruf bereit.

Fast live werbefrei

Mit der «Timeshift»-Methode, die beispielsweise die Software «Tivion Media Center» von TC beherrscht, ist sogar möglich, Programme zeitnah zu ihrer Austrahlung ohne Unterbrechung werbefrei zu sehen, wenn der Benutzer beispielweise bei einer 90-minütigen Live-Sendung 15 Minuten nach ihrem Beginn anfängt die von der Werbeblocker-Software zwischengespeicherte Aufzeichnung zu sehen. Diese Methode stellt jedoch sehr hohe Anforderung an die Hardware, da der Rechner gleichzeitig ver- und entschlüsseln sowie aufzeichnen und abspielen muss.

Die Kombination aus Werbeblock-Funktion und einfacherer Programmierbarkeit setzt die Fernsehanbieter in den USA bereits unter Druck - so gingen die Quoten in der Hauptzielgruppe im vergangenen Herbst laut den TV-Messern von Nielsen Netratings bedenklich zurück, wofür Experten auch PVRs verantwortlich machten. Die «On Demand»-Geräte erfassen den Trend des Internet, jederzeit Informationen abrufbar vorzuhalten. Sorgsam vorbereitete Programmabläufe und «Audience Flows» könnten so zerstört werden. Bislang sind PVRs mit Werbeblockerfunktion in Deutschland allerdings noch eine Marktnische. Das könnte sich künftig ändern.

 
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