24. Jun 2004 09:24
Ein beim Internet-Anbieter AOL angestellter Mann soll 92 Millionen E-Mail-Adressen gestohlen haben, um diese an Spam-Versender zu verkaufen. Der Mann wurde festgenommen.
Geld mit Spam verdienen wollte offenbar ein 24-jähriger Mitarbeiter des marktführenden US-Online-Dienstes AOL. Der Programmierer John S. habe insgesamt 92 Millionen E-Mail-Adressen («Screennames») von Kunden des Providers gestohlen, teilten die US-Bundesbehörden am Mittwoch mit. S. reichte die Informationen anschließend an seinen Bekannten Sean D. weiter - gegen Geld. D. nutzte die Daten wiederum, um sein Internet-Glücksspiel per Spammail zu bewerben. Außerdem soll D. die Adressen für rund 50.000 Dollar an andere Müllmail-Versender verkauft haben.
Sowohl S. als auch D. wurden festgenommen. Beiden Verdächtigen droht nun eine Strafe von bis zu fünf Jahren Haft, außerdem eine Geldstrafe von bis zu 250.000 Dollar. Programmierer S. soll nach US-Medienberichten zudem längst entlassen worden sein. AOL sagte, man untersuche den Fall genau und werde versuchen, interne Abläufe umzustellen, um ähnliche Vorfälle zu vermeiden. S. soll auf Teile der AOL-Daten Zugriff gehabt haben. Im Frühjahr 2003 nutzte er den Zugang anderer AOL-Mitarbeiter, um die E-Mail-Daten abzufragen - zudem soll er auch Ortsangaben, Telefonnummern und Kreditkartendaten bekommen haben, allerdings keine Kreditkartennummern. AOL-Deutschlandsprecher Tobias Riepel betonte gegenüber der Netzeitung, dass «keine Passwörter» und «keine Kundendaten» gestohlen worden seien.
Wie viele Spam-E-Mails durch S.' Vergehen in Umlauf kamen, ist bislang nicht bekannt. Spammer Sean D., der die Liste benutzte und weiterverkaufte, bezeichnet sich selbst als «Internet-Marketing-Fachmann».AOL, größter Provider der Welt, wehrt sich zunehmend gegen Spam, von dem seine Mitglieder besonders stark betroffen sind. So zog das Unternehmen kürzlich den durch den Müllmail-Versand erwirtschafteten Porsche eines Spammers ein und verloste ihn unter seinen Mitgliedern - als Symbol dafür, dass man solchen Geschäftemachern finanziell «ans Leder» möchte. Daneben versucht AOL, das Spam-Problem über technische Maßnahmen zu verringern, unterstützt hier neue Standards.