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Nazi-Spam von gekaperten PC versandt

10. Jun 2004 15:01, ergänzt 15:20
Seit Mittwoch Nacht häufen sich Spammails mit rechtsradikalem Inhalt. Die Botschaften, die zu Zehntausenden im Umlauf sein sollen, wurden offenbar über vireninfizierte Computer verschickt.

Derzeit kursieren zahlreiche Spammails mit rechtsradikalem und neonazistischem Inhalt im deutschen Internet. Die Müllmail-Welle, die laut Berichten von Internet-Providern seit der vergangenen Nacht rollt, soll Zehntausende E-Mails umfassen und mit gefälschten Absendern verschickt worden sein.

Zombie-Computer

Die Betreffzeilen enthalten Sätze wie «Was Deutschland braucht, sind deutsche Kinder!», «Asylant quälte Tiere brutal zu Tode», «Bankrott des Gesundheitswesens durch Auslaender!» oder auch «Asylanten begrabschen deutsche Mädchen». In den Mails selbst wird per Link auf Neonazi- und rechtsextreme Seiten verwiesen, etwa auf das Neonazi-Netzwerk «Widerstand Nord», NPD-Seiten und die Zeitung «Junge Freiheit».

Die Spammails weisen auf einen Versand über so genannten «Zombie-PC» hin - Computer, die über Viren zum Müllmail-Versand gekapert wurden. Laut IT-Fachmedien gibt es hierbei Hinweise auf den Wurm «Sober», auch ergaben sich bei Rückverfolgungen Einwahlrechner, die von Nutzern großer Internet-Provider kamen.

Alles gefälscht

Mehr in der Netzeitung:
Absender der Mails scheinen unter anderem Medien wie der «Spiegel» und die Netzeitung zu sein. Zum Teil wurden die Adressen von dort tatsächlich arbeitenden Redakteuren gefälscht. Einige sind auch im Stil von Leserbriefen aufgemacht. Die wahren Spam-Autoren zu finden, gilt laut Sicherheitsexperten als schwierig. Die Programmierer von «Sober» sind bislang nicht ermittelt.

Derzeit lässt sich der Spam nicht stoppen, allein ein Ausfiltern der Mails hilft. So genannte «Blacklisten», die die Absenderrechner blockieren, helfen wenig - sollte der Neonazi-Spam tatsächlich per «Sober» verschickt werden, könnten die Urheber die Ursprungsrechner ständig wechseln. Ermittlungen laufen gegen die Neonazi-Spammer noch nicht.

 
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