09. Jun 2004 09:23
Der Sportartikelhersteller Nike will einen Web-Trend nutzen. Mit der hippen Blogger-Firma Gawker wurde zur Imagewerbung ein eigenes Netztagebuch gestartet.
Der Schuh- und Sportmode-Anbieter Nike hat ein eigenes Werbe-Weblog gestartet, das sich erstmals wie ein echtes Netztagebuch gibt. Das Angebot namens «Art of Speed» begleitet eine gleichnamige Internet-Reklamefilm-Kampagne des Sportartikelherstellers und wird von dem bekannten New Yorker Weblog-Unternehmen Gawker Media umgesetzt. Für die Firma ist es das erste extern beauftrage Blog.Im Gegensatz zu bisherigen Reklame-Weblogs, die eher Foren nachahmten und zumeist gestellt wirkten, gibt sich «Art of Speed» wie ein vollwertiges Blog. In 20 Tagen sollen darin insgesamt 15 Regisseure und ihre Werbefilme vorgestellt werden, die Nike in Auftrag gegeben hatte. Darin dreht sich alles um das Thema Geschwindigkeit.
Technisch basiert «Art of Speed» auf dem gleichen System wie alle anderen Gawker-Weblogs - etwa «Gizmodo» oder «Wonkette». Der Ton, in dem die Postings verfasst werden, ist keineswegs werbemäßig, fremde Links werden mit dem in Blogs üblichen «via» als Quellenangabe versehen. Im Impressum werden ein eigener Weblog-Redakteur sowie Nick Denton, Gründer von Gawker Media, als Herausgeber genannt.Nike möchte mit dem «Art of Speed»-Weblog offenbar sein Web-Image verbessern. Die Blogs der Gawker-Gruppe erreichen derzeit nach eigenen Angaben zwischen 400.000 und 700.000 User im Monat, gelten daher als werberelevant. Links innerhalb der Gawker-Blogs sollen für die Bekanntheit von «Art of Speed» sorgen.
Denton wollte nicht sagen, wie viel Nike für das neue Reklame-Weblog zahlt. Es soll aber erst der Anfang einer ganzen Reihe ähnlicher Projekte sein - hierfür hat Gawker Media extra ein eigenes Programm namens «Gawker Media Contract Publications» aufgelegt. Denton will dabei versuchen, so ehrlich wie möglich mit der kritischen Weblog-Gemeinde umzugehen. Es soll immer klar sein, wer das Weblog bezahlt. Denton sagte US-Medien, er sehe das Reklame-Blog-Geschäft ähnliche wie Unternehmensmagazine: Auch da wüssten die Leser, von wem ein Angebot käme.
Bisher lebt Gawker Media allein von Werbung, die in seinen unabhängigen Blogs läuft. Es gilt als kleines mittelständisches Unternehmen, das profitabel arbeitet.