17. Mai 2004 09:15
«Movable Type», eine Software, die zahlreiche Netztagebuch-Betreiber einsetzen, wird zum kommerziellen Produkt. Die Ankündigung der Herstellerfirma wurde zum PR-Debakel.
Wer heutzutage ein Netztagebuch (Weblog) betreibt und dafür einen eigenen Server zur Verfügung hat, setzt zumeist auf die Software «Movable Type» des kleinen kalifornischen Anbieters Six Apart. Die Firma wuchs mit der aufstrebenden Weblog-Szene mit: Ursprünglich als Freeware-Projekt zweier arbeitsloser Internet-Experten, dem Ehepaar Ben und Mena Trott, gestartet, wurde aus Six Apart inzwischen ein veritables Unternehmen, das bereits Risikokapital erhielt und längst als Hoffnungsträger in der Riege neuer, junger Web-Firmen Amerikas gilt.
Die Wandlung vom Szenevorhaben zum «New Economy»-Unternehmen macht Six Apart derzeit allerdings Probleme. Eine Ankündigung vom vergangenen Donnerstag, aus «Movable Type» nun ein gänzlich kommerzielles Produkt zu machen, sorgte in der Weblog-Szene für gewaltigen Aufruhr - bis hin zur Ankündigung zahlloser Benutzer, die Produkte der Firma ab sofort links liegen zu lassen.Dabei hatte Six Apart nur versucht, endlich Geld mit «Movable Type» zu verdienen. War eine bislang nicht limitierte Freeware-Version der Software sowie eine kaum verwendbare kommerzielle Lizenz verfügbar, wollte man künftig mehrere zumeist kostenpflichtige Verkaufsmodelle anbieten. Das Angebot zu Preisen zwischen 100 und 600 Dollar schränkte allerdings die Nutzungsmöglichkeiten von Weblogs deutlich ein - so sollten Nutzer künftig nur noch eine limitierte Anzahl an Autoren und einzelnen Weblogs führen dürfen, statt unlimitierte Nutzungsrechte wie bei der Vorversion zu haben.
Überdies enthielt die neue «Movable Type»-Version 3.0 auch kaum neue Funktionen, die viele Nutzer wohl gerne bezahlt hätten. Six Aparts Ankündigung von «Movable Type» 3.0, stilecht im eigenen Weblog erfolgt, erhielt innerhalb kürzester Zeit vernichtende Kritiken. Im so genannten «Talkback», das Weblogeinträge aus anderen Weblogs zum gleichen Thema listet, war die große Mehrzahl aller Postings negativ.Inzwischen ruderte Six Apart allerdings zurück: Man verbesserte die Lizenzbedingungen leicht und erklärte, was man mit seinen Restriktionen denn überhaupt meinte. Man betonte, es gäbe weiterhin eine kostenlose, wenn auch abgespeckte, Version von «Movable Type». Viele Blogger, die es bislang nicht gewohnt waren, Weblog-Software zu kaufen, wollen trotzdem wechseln: Das Open-Source-Weblog-Werkzeug «Wordpress» bekam über das Wochenende viel Zulauf.