12. Mai 2004 08:59
Ein Jahr nach dem Kauf des weltweit größten Weblog-Dienstes Blogger.com, führt Google selbst ein Netztagebuch. Bislang sind die Inhalte noch wenig spannend.
Der Betreiber der Suchmaschine Google bietet seit dieser Woche ein offizielles Netztagebuch an. Das «Google Blog» soll «Einblicke in Neuigkeiten, Technologie und Kultur bei Google» liefern, wie das Unternehmen mitteilte. Die Informationen kämen direkt aus dem «Googleplex», dem Hauptquartier der Suchmaschine im kalifornischen Mountain View.Derzeit gibt sich das Google-Weblog allerdings eher schweigsam: In zwei Tagen entstanden erst drei Einträge. Auch ist unklar, wer hier tatsächlich der Autor ist - die einzelnen «Posts» sind nicht gekennzeichnet.
Eingeführt hat das Angebot Evan «Ev» Williams, Gründer des Weblog-Dienstes Blogger.com, den Google im Frühjahr 2003 für eine ungenannte Summe übernommen hatte. Derzeit arbeitet Williams als «Blogger Program Manager» bei dem Suchmaschinen-Betreiber.Williams lässt in seinem ersten «Google Blog»-Eintrag Einblicke in die offenbar bereits konzernmäßige Entscheidungsfindung der Suchmaschine zu - es habe «weniger als 15 Monate» gedauert, bis das offizielle Netztagebuch gestartet wurde, obwohl man dies seit dem Blogger.com-Kauf geplant habe. Was im «Google Blog» geplant ist, schreibt Williams auch: «Normale Blog-mäßige Dinge: Was Larry [Page, Google-Gründer, Anm. d. Red.] zum Frühstück hatte und was Sergey [Brin, ebenfalls Google-Gründer] von diesem neuen Film hält.»
Die nächsten beiden «Google Blog»-Einträge enthalten dann allerdings mehr PR als Weblog-artiges: Ein Eintrag beschäftigt sich mit Jobs bei Google, die es «in jeder Zeitzone» geben soll, ein zweiter versucht, eine (inzwischen beendete) Affäre um die hohe Trefferposition einer Neonazi-Seite mit der Größe von Googles Suchindex zu entschuldigen.Das neue «Google Blog» fand in der Netztagebuchszene viel Aufmerksamkeit - es befand sich am Mittwoch mit Abstand auf Position eins des Weblog-Indizes «Blogdex». Blogger registrieren offenbar jede Veränderung. So entdeckte die Blogger-Gemeinde «Metafilter», dass Google sein Posting zum Thema Jobs nachträglich bearbeitete. Sei zuvor der indische Standort Bangalore betont worden, habe er sich nachträglich «zu einer Fußnote» gewandelt, so Metafilter. Das habe bestimmt mit der «Outsourcing-Debatte» zu tun, mutmaßt die Netztagebuch-Gemeinschaft.