Phishing-Panik beeinträchtigt E-Commerce
07. Mai 2004 12:51
Mit der Phishing-Methode gelangen Online-Betrüger an die Bankdaten ihrer Opfer. Die Angst vor der Masche hält immer mehr Amerikaner davon ab, online zu buchen oder einzukaufen.
Drei Viertel der Inhaber von Online-Konten, die an einer Umfrage des Software-Entwicklers Cyota teilnahmen, gaben an, aus Angst vor dem betrügerischen Erfassen von Bankdaten, Phishing genannt, weniger im Web einzukaufen. Sie beantworten die E-Mails ihrer Bank nicht mehr und zwei Drittel wollen gar kein Online-Banking mehr nutzen.
Gefälschte Mails, getarnte Sites
Beim Phishing werden User durch gefälschte E-Mails zu Web-Seiten gelockt, die seriös aussehen und auf denen sie ihre Bank- oder Kreditkartendaten eingeben und bestätigen sollen. Nur 30 Prozent der 650 Befragten hielten sich selbst in der Lage, zwischen einer echten und einer gefälschten E-Commerce-Mail zu unterscheiden. Laut der Cyota-Studie müssten Kunden von Banken und Online-Shops besser informiert werden, um die teilweise übertriebenen Ängste zu beheben.
12 Phisher festgenommen
Währenddessen hat eine High-Tech-Einheit der britischen Polizei am Donnertag zwölf Personen festgenommen, die unter dem Verdacht stehen, Mitglieder einer Phishing-Bande zu sein. Die sechs Männer und sechs Frauen, die aus Estland, Lettland, Litauen, Russland und der Ukraine stammen, sollen die Bankdaten von zahlreichen Nutzern ausspioniert haben. Britischen Medienberichten zufolge soll die Polizei Computer, Passwörter, Scheckbücher, Bankkarten und große Mengen an Kokain bei mehreren Adressen in London und Ramsgate in Kent beschlagnahmt haben.
Gefälschte Mails von Banken
«Wir glauben, dass diese Gang Hunderttausende britische Pfund nach Russland transferiert hat», sagte Kriminalkommissar Mick Deats britischen Medien. Jüngste Phishing-Mails tarnten sich meist als Schreiben von bekannten Banken wie Wells Fargo, Nationwide, NatWest, Barclays, Westpac und Halifax. Erst in der vergangenen Woche hatte die Polizei in Großbritannien einen 21-jährigen Mann in Lancashire verhaftet.
Kreditkartenbetrug hat Vorsprung
Phishing hat britische Banken in den letzten 18 Monaten über eine Million Pfund gekostet. Das ist im Vergleich zu den 402,4 Millionen Pfund, die durch Kreditkartenbetrug verloren gingen, ein geringer Betrag, aber die Banken nehmen das Problem trotzdem ernst.
Fast eine Millionen betrogene Amerikaner
Eine weitere im April vom US-Unternehmen Gartner durchgeführte Studie rechnete hoch, dass 57 Millionen Amerikaner eine Phishing-Mail erhalten haben. 19 Prozent der Befragten meinten sich zu erinnern, die angegebenen Instruktionen befolgt zu haben und auf gefälschten Websites gelandet zu sein. 3 Prozent gaben an, dort Auskunft über sensible persönliche Daten gegeben zu haben.