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LAN-Spieler: Aufregung über Erfurter
Amoklauf hat sich schnell gelegt

26. Apr 2004 11:30
Gedenken in Erfurt 2002
Nach dem Amoklauf von Erfurt vor zwei Jahren forderten Politiker das Verbot von Computer-«Killerspielen». Ein Onlinespieler sprach mit der Netzeitung darüber, was sich geändert hat.

Am 26. April 2004 tötete der 19-jährige Robert Steinhäuser in seiner ehemaligen Erfurter Schule 16 Menschen und anschließend sich selbst. Auf der Suche nach Gründen für den Amoklauf wurden vor allem «Gewaltvideos und Killerspiele» verantwortlich gemacht. Politiker wie Wirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) und CSU-Chef Edmund Stoiber forderten deren Verbot, während Psychologen der Theorie, dass diese Computerspiele Kinder zu Killern machen, widersprachen. Die Netzeitung sprach mit einem Onlinespieler darüber, was von der Aufregung vor zwei Jahren übriggeblieben ist.

Michael Busch ist 22 Jahre alt, BWL-Student, und seit drei Jahren Mitglied des Onlinespiel-Clans «Deutschlands Kranke Horde», der zu den erfolgreichsten Clans des Landes gehört. In Deutschland gibt es schätzungsweise drei Millionen Spieler, die von zuhause aus oder auf LAN-Partys miteinander spielen - von «Battlefield» über «Counterstrike» bis Fußball.

Netzeitung: Ist der Amoklauf Robert Steinhäusers heute noch Thema?

Mehr in der Netzeitung:
Michael Busch: Das Thema Gewalt und Computerspiele beschäftigt uns weiterhin, aber das kann man nicht an einem Vorfall festmachen. Natürlich nimmt uns die Öffentlichkeit seitdem anders wahr, und wir wurden mit einigen Vorurteilen konfrontiert.

Netzeitung: Wie war damals die Reaktion auf die Vorwürfe, dass «Killerspiele» Jugendliche zu Mördern machen?

Busch: Das war ein Schock für uns. Anfangs gab es Aufruhr in der Szene. Viele haben dicht gemacht, haben gesagt, mit so einem haben wir nicht gespielt, der kommt nicht von uns. Und natürlich hatten wir Angst, dass unser Sport – denn das ist Onlinespielen für uns: Sport – in die falsche Schublade gesteckt wird. Und das war dann ja auch so. Damals wurden die Spieler zum Sündenbock der Nation. Und deshalb haben wir uns auch wirtschaftlich Sorgen gemacht.

Netzeitung: Warum wirtschaftlich?

Busch: Gerade waren auch große Sponsoren in die Finanzierung von LAN-Partys und Wettkämpfen eingestiegen. Als erstes hat sich damals Intel distanziert. Die hatten wohl Angst um ihren Ruf...

Netzeitung: Wie lange hat das gehalten?

Busch: Nicht lange. Nach ungefähr einem halben Jahr war es wieder wie vorher. Oder sogar besser, die Szene wächst ja bis heute. Und diese Industrie – wie der Chip-Konzern Intel oder die Grafikkartenhersteller – wollen ja mit uns Geld verdienen.

Netzeitung: Hat sich denn im Clan etwas geändert?

Busch: Wir haben uns die Leute damals schon genauer angeguckt. Und in Foren und Partys wurde diskutiert, ob es vielleicht Leute gibt, bei denen es falsch läuft, für die diese Spiele ein Problem sein könnten. Ich glaube, dass sich labile Menschen schon an so etwas hochziehen können. Aber die suchen
sich dann diese Spiele. Und nicht umgekehrt. Die werden nicht erst durch die Spiele so.

Netzeitung: Damals hieß es, dass die Freiwillige Selbstkontrolle bei Ego Shootern schärfer kontrollieren soll. Merkt man davon heute etwas?

Busch: Klares Nein. Als Anfang des Jahres der Shooter «Far Cry» rausgekommen ist – und der ist wirklich sehr realistisch - war er zuerst ab 18 freigegeben. Seit dem 1. April ist er indiziert. Aber man hat es noch überall bekommen. Das ist wie immer in Deutschland oder überall sonst auch: Im ersten Moment heulen alle rum, wie bei BSE, und im Endeffekt verläuft es sich im Sande. Natürlich gibt es richtig harte Shooter wie zum Beispiel «Postal», aber die kann man doch gar nicht sinnvoll gegeneinander spielen. Die bringen uns nichts. Trotzdem zieht sich die Öffentlichkeit daran hoch. Die sollten mal auf eine LAN-Party kommen – die würden sich wundern.

Mit Michael Busch sprach Sophie Albers.

 
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