20. Apr 2004 16:32
Die Bürgerrechtsbewegung Privacy International hat Googles neuen Email-Dienst in ganz Europa bei den zuständigen Datenschutzbehörden angezeigt. Gmail sei «rechtswidrig».
In der Beschwerde sei eine «große Breite» an möglichen Verstößen gegen EU-Recht genannt, sagte ein PI-Sprecher. Sie ging an die Datenschutzbehörden in Deutschland, den Niederlanden, Frankreich, Griechenland, Italien, Belgien, Dänemark, Schweden, Irland, Portugal, Polen, Österreich, Spanien sowie weitere alte und neue EU-Mitglieder. Kritisiert wird unter anderem die «Privacy Policy» Googles, nach der der Anbieter E-Mails auch dann speichern darf, wenn diese bereits gelöscht sind.Andere Kritikpunkte betreffen die bei dem kostenlosen E-Mail-Dienst verwendete Werbung. Sie ist «kontextsensitiv» und analysiert schrittweise Texte der Mails nach passenden Stichwörtern, anschließend wird automatisch Reklame eingeblendet. Deutsche Datenschützer werten dies als Verstoß gegen das Fermeldegeheimnis. Es sei «egal» ob Maschinen oder Menschen Mails mitlesen würden.
Google selbst zeigte sich zuversichtlich dieses und andere Probleme im Dialog mit den Datenschutzbehörden in der EU ausräumen zu können. Google freue sich auf einen «intensiven Dialog», hieß es in einer Erklärung an US-Medien. Der Suchmaschinenbetreiber fordere derzeit auch seine Testnutzer zum «Feedback» in Sachen «Privacy Policy» auf.Ob Gmail tatsächlich EU-Recht bricht, ist unterdessen noch völlig unklar. Der mit einem Gigabyte an Speicherplatz ausgestattete Dienst müsse nur klar und transparent darlegen, was er tue, hieß es hierzu von der zuständigen EU-Stelle. Eine Aufforderung von Privacy International an die britischen Behörden, gegen Gmail vorzugehen, war zuvor abgelehnt worden, weil der Dienst noch nicht kommerziell aktiv ist.