05. Apr 2004 17:30
Die größte Nachrichtenagentur der Welt, Reuters, will den Zugriff auf ihr Material im Netz einschränken. Ab Sommer sollen zahlreiche Nachrichten nur noch auf eigenen Seiten erscheinen.
Die Nachrichtenagentur Reuters plant, ihr Angebot an kostenlosen Finanznachrichten im Internet stark zu reduzieren. Wie das «Wall Street Journal» am Montag berichtete, sollen bisherige Partner wie das Portal Yahoo oder der Wirtschaftsdienst Marketwatch.com künftig nur noch auf die News der Agentur in Schlagzeilenform verlinken dürfen - anstatt die vollständigen Meldungen zu bringen. Diese müssen Leser künftig unter Reuters.com oder den jeweiligen Landesportalen ansehen. Betroffen sind Finanz- und Business-Neuigkeiten.
Der unter Web-Experten umstrittene Schritt erfolgt ab dem 1. Juni. Etwas später, vermutlich 2005, sollen dann zahlreiche Informationen, die marktbewegend sein können, etwa Top-Interviews oder detaillierte Firmeninformationen, nur noch gegen ein Abonnement erhältlich sein. Preise stehen bislang noch nicht fest.Christopher Ahearn, Chef von Reuters Media, sagte laut dem «Wall Street Journal», man wolle «den Wert der Marke Reuters im Endkundenbereich» nutzen. Die Idee sei, Zugriffe und damit letzlich Werbegelder unter Reuters.com zu erhöhen.
Laut «Wall Street Journal» hätten bereits einige große Reuters-Kunden, die bisher Nachrichten der Agentur im großen Stil verbreitet hatten, sich dafür entschieden, die Verträge nicht zu verlängern. Laut Reuters selbst komme die neue Strategie bei großen Kunden allerdings «gut an». Yahoo teilte mit, man werde den neuen Schlagzeilen-Dienst von Reuters nutzen. Terra Lycos will beim neuen Link-Zwang allerdings nicht mitmachen.Nate Elliott, ein Analyst beim Internet-Forschungsunternehmen Jupiter Research, sagte gegenüber dem «Wall Street Journal», es sei verwunderlich, dass eine Firma Lizenzgelder gegen Werbegelder tauschen werde. «Es zeigt, dass Reuters viel Vertrauen in das Revival der Online-Werbung hat.»