01. Apr 2004 16:33
Die Ankündigung der Suchmaschine Google, einen kostenlosen E-Mail-Dienst mit einem Gigabyte freiem Speicherplatz anzubieten, stimmt - auch wenn sie im Stil eines Aprilscherzes verpackt war.
Google ist für seinen Humor fast so bekannt wie für seine Verschwiegenheit. «Sei nicht böse», heißt beispielsweise das erste Firmenmotto. Da war es wenig verwunderlich, dass die Ankündigung der Suchmaschine vom 1. April, ein kostenloser E-Mail-Dienst mit der im Konkurrenzumfeld gigantischen Kapazität von einem Gigabyte sei geplant, in Fachkreisen erst einmal auf Skepsis stieß.Doch ein Aprilscherz, wie in Szeneforen wie «Slashdot» oder dem australischen Regierungsrundfunk ABC spekuliert wurde, ist der neue «Gmail»-Dienst nicht. Im Gegenteil: Google bewies wieder einmal Humor, indem die Suchmaschine die Medien und die Kunden quasi doppelt in den April schickte.
Google-Sprecher versicherten dem IT-Dienst «Heise Online», etwaige Aprilscherz-Befürchtungen seien unbegründet. Offenbar veröffentlichte Google seine Ankündigung extra am 1. April, um Journalisten an der Nase herumzuführen: Die Ankündigung, verpackt in eine merkwürdig aufgemachte Pressemitteilung («Heck Yeah», steht in der Unterzeile), stimmt.«Gmail», wie der Dienst genannt wird, schaffte es am Donnerstag sogar auf die Titelseite der «New York Times». Das hat gute Gründe, meinen Experten: Google schicke sich an, den E-Mail-Markt umzukrempeln. Die Auswirkungen könnten groß sein.
Geplant ist, dass sich «Gmail»-Nutzer nie wieder von einer E-Mail trennen müssen. Der Speicherplatz von einem Gigabyte reicht zwar nicht «für immer», wie Google behauptet, aber sicher einige Jahre, wenn der Nutzer durchschnittlich viel mailt und Anhänge und Spam-Mails löscht. Geht Googles Plan auf, besitzt das Unternehmen zwei der wertvollsten Datenbestände des Internets: Den Index der meisten Web-Seiten und die Inhalte der Mails großer Teile der Nutzer. Beides will das Unternehmen mit der typischen Google-Suche durchkämmbar machen und jeweils passende Werbung einblenden, ohne dass E-Mail-Inhalte den Werbetreibenden bekannt werden. Wann «Gmail» der Öffentlichkeit zur Verfügung steht, ist noch unklar. Zunächst wird mit Beta-Nutzern getestet.