10. Mrz 2004 10:17
Kaum werden professionell betriebene Weblogs profitabel, schon kommt es zu ersten Konkurrentenschlachten. In New York jagen die Technik-Blogs «Engadget» und «Gizmodo» einander Mitarbeiter ab.
Der Grund für Dentons Erregung: Peter Rojas, bislang wichtigster Autor für Dentons beliebtes Technikspielzeug-Weblog «Gizmodo», war zur Konkurrenzfirma Weblogs, Inc. übergelaufen, um dort eine eigene Seite namens «Engadget» im direkten Wettbewerb zu starten. Denton wurde davon im Urlaub in Brasilien überrascht.Jason McCabe Calacanis, Weblogs, Inc.-Gründer und als ehemaliger Internet-Szenemagazin-Verleger zu «Dot-Com»-Hype-Zeiten für seine süffigen Kommentare bekannt, meinte, er könne Rojas eben das bieten, was Denton ihm vorenthalten habe: «Anteile am Unternehmen!» In diesem Zusammenhang erwähnt Calacanis gerne, dass kürzlich ein Weblog-artiges Unternehmen für 4,5 Millionen Dollar von einem ehemaligen AOL-Manager übernommen wurde. «In wenigen Jahren werden die Top-Blogs Millionen wert sein», meinte er.
Während Denton versucht, sein kleines Weblog-Imperium schrittweise aufzubauen und immer noch Zweifel hegt, jemals wirklich viel Geld damit verdienen zu können, plant Konkurrent Calacanis, demnächst mit 500 Weblogs in allen nur erdenklichen Themenbereichen «signifikante Umsätze» zu generieren - durch Werbung. Eine gemeinsam betriebene Media-Abteilung soll dies ermöglichen. Dank seines «Unternehmensanteil»-Modells muss er seinen Blogger sowieso nur eine geringe Grundgebühr für ihre Dienste zahlen - mehr gibt's nur, wenn Werbegelder fließen.Dentons Ansatz hingegen: Er stellt die Blogger ein oder beschäftigt sie als «feste Freie». Das kann sich auch lohnen: Sie können sich in den Denton-Blogs ein Profil erschreiben. So ging Elizabeth Spiers, die das trendige New York-Weblog «Gawker.com» betreute, inzwischen zum «New York Magazine».
Der Kleinkrieg zwischen Denton und Calacanis wird praktisch vollständig in der Öffentlichkeit ausgetragen, auch dies ist Teil der Offenheit, die den Weblog-Charakter ausmacht. So äußern sich Calacanis und Denton nicht nur in ihren eigenen Blogs, sie kommentieren auch entsprechende Berichte in anderen Szene-Netztagebüchern. Die US-Medienindustrie zeigt sich interessiert; zahlreiche größere Websites berichteten.