netzeitung.deWindows-Quellcode kursiert im Netz

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Microsoft hütete bisher den Quellcode seiner Programme so, wie Coca Cola das Rezept für die schwarze Brause. Teile des Codes seien nun jedoch ins Internet gestellt worden, gestand Microsoft ein.

Teile des Windows-Quellcodes sind im Internet aufgetaucht, wie ein Sprecher des Konzerns am Donnerstag erklärte. Unvollständige Skripte von Windows 2000 und Windows NT kursierten in Chatrooms und auf verschiedenen Seiten. «Für Dritte ist es illegal, Quellcode von Microsoft zu veröffentlichen», so Sprecher Tom Pilla. «Wir nehmen das offenkundig sehr ernst.»

Zum zweiten Mal innerhalb weniger Tage musste der Softwarekonzern damit eingestehen, dass es erhebliche Schwierigkeiten mit der Sicherheit seiner Produkte gibt.

Der Quellcode ist so etwas wie der Bauplan einer Software. Wer ihn besitzt, kann das System umprogrammieren, Erweiterungen und Veränderungen daran vornehmen. Beim Konkurrenzsystem Linux ist der Code jedem zugänglich, so das jeder Interessierte das Programm erweitern kann. Microsoft dagegen hat immer großen Wert darauf gelegt, niemandem Änderungen an seinen Programmen möglich zu machen.

Hacker und Konkurrenten
Eine 203 Megabyte große Datei soll im Netz kursieren. Sie repräsentiere nicht den gesamten Code für Windows, hieß es, von dem geglaubt wird, dass er mindestens 40 Gigabyte groß ist. Die Codezeilen seien auch kein ausführbares Programm, man könne damit kein Windows zusammenbauen. Hacker hätten jedoch die Möglichkeit, darin nach Lücken und Fehlern zu suchen und diese für Angriffe zu nutzen.

Noch viel interessanter aber sei der Code für die Konkurrenz, die versuchen könnten, ihre Produkte zu verbessern. «Das ist das Peinlichste, was passieren kann. Denn es sieht so aus, als ob Microsoft keine Kontrolle über den Programmcode hat», zitiert die Nachrichtenagentur AP den Analysten Rob Enderle.

Die Sicherheitsfirma Eeye Digital Security, die das bisher letzte schwere Windows-Leck entdeckt hatte, wundert das Durchsickern nicht. «Ich frage mich, warum das nicht schon früher passiert ist», sagte Marc Maiffret Eeye. «Denn es gibt so viele, die Zugang zum Programmcode haben.» Viele Firmen, Regierungen und Organisationen bekämen den Code, wenn auch unter strengen Auflagen.

Microsoft hat die Polizei eingeschaltet und untersucht, wie die Datei ins Netz gelangen konnte. Der Sprecher gab sich überzeugt, dass es kein Leck innerhalb der Firma war. (nz)