netzeitung.deHacker gesteht Einbruch in «New York Times»-Server

 Herausgeber: netzeitung.de

Adrian Lamo, bekannt als «obdachloser Hacker», hat vor einem US-Gericht zugegeben, die «New York Times» gehackt zu haben. Der Schaden liegt bei bis zu 70.000 Dollar.

Der bekannte amerikanische Hacker Adrian Lamo hat einer US-Bundesrichterin in New York gegenüber eingeräumt, in die internen Server der «New York Times» eingedrungen zu sein.

30.000 bis 70.000 Dollar Schaden soll der 22-Jährige verursacht haben, indem er in das Netz der US-amerikanischen Tageszeitung einbrach und dort allerlei Schabernack trieb.

So ergänzte Lamo etwa seinen eigenen Namen in der Kontaktliste der Meinungsseite des Blattes und nutzte die Pressedatenbank Lexis Nexis. Außerdem soll er Informationen über Microsoft aus einem Archiv der Zeitung bezogen haben. Der Hack des Servers fand 2001 und 2002 statt. Ihm drohen nun bis zu 12 Monaten Haft.

Lamo gab an, er habe gestanden, weil er seine Familie nicht zerstören wolle: «Ich habe immer gesagt, dass ich für meine Taten einstehe.» Das Schuldeingeständnis ist Teil eines Deals mit der Staatsanwaltschaft. Er sei «reumütig», so der Hacker.

Firmen loben ihn
Lamo wurde als «obdachloser Hacker» bekannt, weil er jahrelang ohne Wohnsitz operierte und sich so das Image des Mysteriösen gab. Er hackte oft von öffentlichen Orten aus. Seine Strategie: In die Server großer Firmen und Institutionen einbrechen und dann seine kostenlose Hilfe bei der Beseitigung von Sicherheitslücken anbieten.

Im Falle der «New York Times» habe er jedoch «eine Grenze überschritten», wie er selbst sagte. Allein der Zugriff auf das Lexis-Nexis-Archiv der Zeitung soll Kosten in Höhe von 300.000 Dollar verursacht haben.

Zuvor und danach war Lamo laut eigenen Angaben schon bei Unternehmen wie MCI, Microsoft, Yahoo sowie Excite in die Server eingedrungen. MCI hat ihm für seine Unterstützung sogar gedankt. Lamo stellte sich im September freiwillig den Behörden, gegen 250.000 Dollar Kaution wurde er frei gelassen. Das Urteil kommt im April.

Schwere Entscheidung
Prozessbeobachter aus der IT-Szene meinten, es sei noch unklar, inwieweit die zuständige Richterin Naomi Buchwald die Hacker-Motivation von Lamo in ihr Urteil einbezieht. Lamo hatte wegen seiner Hacks nie ein Problem mit den Medien, trat dort als Kuriosum gerne auf. Seit Prozessbeginn hält er sich bedeckt. Bislang sagte er nur, er glaube an eine gute Entscheidung der Richterin.

Kevin Mitnick, ebenfalls ein berühmter Hacker, sprach gegenüber dem US-IT-Nachrichtendienst Wired News davon, dass er sich Sorgen mache, ob Lamo jemals wieder einen Job bekommt: «Er hat sich gerade eines Bundesverbrechens schuldig bekannt und das lässt sich nur durch ein Pardon des US-Präsidenten wieder tilgen.»

Lamo besucht laut eigenen Angaben derzeit eine Universität und will sich zum Journalisten ausbilden lassen.


Für das Web ediert von Ben Schwan