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Strategien gegen das Internet-Pöbeln

30. Dez 2003 16:50
Musste in psychiatrische Behandlung: Der Star Wars Kid
Foto: waxy.org
Es bedarf es nur eines Mausklicks, um einen Klassenkameraden ins Unglück zu stürzen. Online-Verleumdungen machen auch vor ganzen Schulen nicht halt. Die müssen sich jetzt überlegen, wie sie reagieren.

Sich rächen, jemanden öffentlich bloßstellen, Gerüchte in die Welt setzen: Zusätzlich zu den guten alten Methoden der Verleumdung bietet das Internet der heutigen Generation von Jugendlichen die Möglichkeit, ihre Mitschüler vor den Augen der Weltöffentlichkeit zu vernichten. Immer häufiger müssen sich Schüler und Lehrer überlegen, wie sie mit dieser Bedrohung umgehen.

Hetzjagd durchs Netz

Ein Mädchen kommt aus den Ferien und niemand will mehr mit ihr sprechen, weil eine SMS umging, die behauptete, sie hätte sich mit SARS infiziert. Ein übergewichtiger Junge wurde im Umkleideraum fotografiert und das Foto über die Handys seiner Klassenkameraden verschickt. Eine Highschool wird auf der US-Website Schoolscandals.com als rassistisch verleumdet. Gerüchte, Tratsch, Beleidigungen hat es immer gegeben. Aber die heutige Generation von Jugendlichen, ständig vernetzt und online, trägt die Schikane von unliebsamen Klassenkameraden ins Netz, startet bösartige E-Mail-Kampagnen, tratscht in Chat-Rooms und verschickt SMS. Für denjenigen, der die Gerüchte streut, hat das den Vorteil, anonym bleiben zu können, für den Betroffenen den Nachteil, das die Reichweite sehr viel größer ist und Tausende ein peinliches Bild zu sehen bekommen und das Opfer bis nach Hause verfolgt wird.

Star Wars Kid kein Einzelfall

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Manchmal erfährt nicht nur die ganze Schule, sondern die ganze Welt von einer kleinen Verfehlung, wie im Fall von Ghyslain, dem kanadischen Teenager, der im Sommer weltweit «Star Wars Kid» bekannt wurde. Er hat sich selbst beim Luftlaserschwertkampf gefilmt und seine ehemaligen Freunde schleusten das Video in die Tauschbörse Kazaa. Kurz darauf gab es die ersten animierten, mit Sound und Special Effects versehenen Versionen im Netz. Ghyslain wurde der am häufigsten heruntergeladene männliche Charakter des Jahres. Neuesten Berichten zu Folge soll er die Schule verlassen und sich in psychiatrische Behandlung gegeben haben.

Meistens nimmt die Internet-Schikane nicht solche Ausmaße an, aber laut einer Studie eines Forschungszentrums für Verbrechen gegen Kinder im amerikanischen New Hampshire aus dem Jahre 2000 wurde bereits eines von 17 Kindern zwischen 10 und 17 in den USA online belästigt oder bedroht. Und laut einer neuen britischen Studie wurde im letzten Jahr einer von vier Studenten online schikaniert.

Exfreundin als Pornoqueen

Gerade per Handy werden neuerdings gemeine Fotos weitergeleitet oder SMS verschickt mit Fragen nach der asexuellen Orientierung oder Sprüchen wie: «Hast du die Schuhe bei Aldi gekauft?» Auf Websites werden die fettesten und hässlichsten Kinder der Schule gekürt oder Webseiten gestaltet, die sich konkret gegen eine einzelne Person, wie den verhassten Ex-Freund, richten. Bekannt wurde ein Fall, in dem ein Junge aus Rache an seiner Ex-Freundin ihr Gesicht auf ein Pornofoto montierte und es an seinen gesamten Mail-Verteiler schickte.

Am besten hilft Kommunikation

Bis jetzt sind die meisten US-Schulen relativ ratlos. Zwar werden Teenager, bei denen ein solcher Fall bekannt wird, beraten, aber der Cyberspace ist nach wie vor immer wieder unerforschtes Gebiet. Nach dem Massaker von Colombine wird auf jeden Fall mehr auf Schikanierungen viel geachtet und Androhungen ernster genommen. Mr. Guidetti, High-School-Direktor aus Kalifornien, dessen Schule online durch Schülerkommentare und Lynch-Drohungen als rassistisch dargestellt wurde, sah sich zum Handeln gezwungen: «Auch wenn es nicht direkt auf dem Schulgelände geschieht, die Schüler sind unkonzentriert und demoralisiert,» berichtete er gegenüber der Online-Ausgabe des «Christian Science Monitor». Er organisierte Treffen mit Schülern, Lehrern, Eltern, damit jeder sich zumindest richtig informiert fühlte. Die verleumderische Site zu schließen gelang, nur mit Hilfe eines Radiosenders. Dieser machte Druck auf die Betreiber der Schoolscandals-Site, dass sie schließlich offline ging.

Inzwischen gibt es Schoolscandals2 und Guidetti überprüft täglich, ob wieder seine Schule wieder in Verruf gebracht wird. Bill Belsey, Präsident der Stiftung Bullying.org rät allen Betroffenen, die Kommunikation mit den Kindern aufrecht zu erhalten, viel mit ihnen zu reden und sie darauf vorzubereiten, was sie erwartet und was sie tun können, wenn es sie mal erwischt. Seine Website www.cyberbullying.ca erklärt, wie man den Inhaber einer E-Mail-Adresse heraus bekommt und stellt Software zur Verfügung, die Texte filtert und E-Mails verfolgt.

 
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