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DVD-Hacker soll ins Gefängnis

12. Dez 2003 10:46
Jon Lech Johansen
Foto: web
Der Berufungsprozess um den jungen DVD-Hacker Jon Lech Johansen steht kurz vor seinem Ende. Der Staatsanwalt in Oslo forderte eine Haftstrafe. Das Urteil soll im Januar folgen.

Jon Lech Johansen, der als «DVD-Jon» bekannte Mitautor eines Knackprogrammes für Video-DVDs, soll für 90 Tage ins Gefängnis und rund 3000 Dollar Strafe zahlen. Dies forderte die Staatsanwaltschaft in Oslo, wie die norwegische Zeitung «Aftenposten» schreibt. Johansen sitzt nach einem Freispruch im Frühjahr erneut auf der Anklagebank, weil die Ermittlungsbehörden Berufung eingelegt hatten. Die Haftstrafe müsste Johansen im Falle einer Verurteilung allerdings vorläufig nicht antreten.

Kopierschutz CSS

Mehr in der Netzeitung:
Schwerer wiegt wohl, dass der zum Tatzeitpunkt 16jährige seine Computerausrüstung abgeben soll, falls er verurteilt wird. «DVD-Jon» hatte das weit verbreitete Hackprogramm «DeCSS» maßgeblich verfasst, mit dem der (allerdings leicht knackbare) DVD-Kopierschutz «CSS» ausgehebelt werden kann. Hollywood-Firmen hatten daraufhin die norwegischen Polizeibehörden eingeschaltet, deren Osloer Abteilung für Wirtschaftskriminalität dann tätig wurde: Johansen Jugendzimmer wurde durchsucht.

Freispruch im Januar

Mehr im Internet:
Im Januar dann wurde Johansen nach langen Ermittlungen schließlich vor Gericht gestellt - das Urteil von Richterin Irene Sogn war allerdings ein klarer Freispruch. Johansen habe seine Software nur zum Abspielen von Video-DVDs benutzt, nicht jedoch zum Erstellen von Raubkopien. Dies sei auch nicht Johansens Absicht gewesen. Dieser hatte vor Gericht immer wieder betont, er habe «DeCSS» nur zum Zugriff auf DVD-Scheiben verfasst - so konnte zum Tatzeitpunkt das freie Betriebssystem Linux diese nicht abspielen, weil es keine von den Hollywood-Firmen lizenzierten Wiedergabeprogramme gegeben hatte. Johansen begrüßte das Urteil.

Fair Use-Aktivist

Wie das Verfahren um «DVD-Jon» ausgeht, ist noch unklar, allerdings ist das Gericht mit technisch kompetenten Schöffen besetzt. Laut «Aftenposten» wird das Urteil im Januar erwartet, der britische IT-Nachrichtendienst «The Register» sprach von einer Verkündung bereits am 22. Dezember. Johansen ist unterdessen weiterhin als Hacker tätigt: So sorgte er mit einem Knackprogramm für das Schutzformat von Songs aus dem virtuellen Musikladen iTunes Music Store für Wirbel. In der EU werden derzeit die Urheberrechtsvorgaben verschärft, Johansen arbeitet laut eigenen Angaben daran, dass die Benutzer ihr Recht auf Privatkopien («Fair Use») weiterhin behalten.

 
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