02. Dez 2003 10:12
Google will an die Börse. Insider beschreiben das Unternehmen allerdings als ziemlich chaotisch.
Davor stand ein gigantisches Wachstum: Innerhalb der letzten achtzehn Monate vervierfachte sich die Belegschaft auf über 1300 Mitarbeiter, während die Umsätze, sofern man dies ohne veröffentlichte Fundamentaldaten abschätzen kann, sich wohl auf 900 Millionen Dollar im Jahr versechsfacht haben - bei geschätzten Gewinnen in Höhe von 350 Millionen Dollar.Damit bewegt man sich in einer Liga mit Veteranen-High-Tech-Hiflyern wie Apple, bei denen allerdings noch richtige Hardware zusammengeschraubt wird, während Google vor allem eine Dienstleistungs- und Werbeverkaufsfirma darstellt. Sie zeigt (oder will zeigen), dass Internet-Geschäftsmodelle rasant wachstumsstark und dabei valide sein können.
Dennoch ist offenbar nicht alles Gold, was bei Google glänzt: Wie das renommierte US-Wirtschaftsblatt «Fortune» schreibt, erweist sich die Firma beim näheren Hinsehen als «talentiertes Unternehmen, das vor Schwierigkeiten steht». Laut «Fortune» leidet die Suchmaschine an klassischen Problemen in der Pubertät eines kommenden Großunternehmens: Während die Spitze aufgrund der angeblichen Unverwundbarkeit sichtbar arroganter geworden sei, führe die Unzahl neuer Mitarbeiter zu organisatorischen Problemen. Die Gier nach Aktienoptionen gehe um und Google verändere sich zur Zeit auf für die Mitarbeiter merkwürdige Weise. Und: Die Wachstumsschmerzen kämen zur Unzeit.Vor allem aber herrsche das kreative Chaos: So berichtet ein Kunde, dass zu einem meeting die Leute in der Regel zwanzig Minuten zu spät kämen, weshalb Externe ihre Präsentationen wiederholen müssen. Andere Mitarbeiter gehen zehn Minuten vor dem Ende, während des meetings spielen die meisten Teilnehmer mit ihren Blackberries oder anderes mobilen Geräten herum.
Disziplin gehöre, so die Gründer, nicht zu den obersten Tugenden. Kreativität sei wichtiger. Für den Börsengang muss der CFO Eric Schmidt nun dafür sorgen, dass ein Grundverständnis für die strengen Regeln der SEC einkehrt - eine Anforderung, die viele für einen existenziellen Kulturschock für Google halten.